Guter und schlechter Nationalismus

Eine kulturalistische Dichotomie zwischen Zivilisation und Barbarei existiert in Teilen der Antideutschen nicht erst seit 9/11. Schon während des Kosovokrieges beschrieb man beispielsweise KosovoalbanerInnen als „barbarisch“ und in „mafiösen Banden“ organisiert. Jürgen Elsässer, der frühere Bahamasautor und heutige Querfrontstratege, war damals noch einer der populärsten antideutschen Auoren und trat dafür ein, bei Konflikten mit Separationsbestrebungen (Kurden vs. Türken, Russen vs. Tschetschenen) sich auf die Seite des bekämpften Staates zu stellen. Die jeweilige Nation sei immer dem sie bekämpfenden „Volk“ vorzuziehen. So als ob die Nation das geringere Übel sei, „republikanisch-zivilisiert“, und nicht „völkisch-barbarisch“. Dabei wurde aber vergessen, dass solche Nationen sich selbst auch ethnisch definieren. Das den Staat dominierende „Mehrheitsvolk“ identifiziert sich mit der Nation, während sich das „Minderheitsvolk“ auf die „Ethnie“ beruft. Über diese und andere Positionen fand 1999/2000 eine Diskussion statt, die vor allem in Jungle World ausgetragen wurde. Einige Beispiele:

Helden oder Barbaren?
Der Streit um nationale Befreiungsbewegungen und nationalistische Kriegsgegner verkommt zum Stellungskrieg der Linken

Skipetaren und Barbaren
Über einen zunehmend ressentimentgeladenen Ton im antideutschen Feuilleton

Kein Aufstand beim Stamm der Antideutschen.


9 Antworten auf “Guter und schlechter Nationalismus”


  1. 1 bigberta 09. Mai 2007 um 0:34 Uhr

    „Der Hauptwiderspruch..Zwischen den Nationen und den barbarischen Blutsvölkern“ und von da aus auf die Anti-Hitler-Koalition? Dolle Volte. Ich frage mich wirklich die ganze Zeit, ob man die wirklich ernst nehmen muß. Aber eine Freundin aus der Berliner Medienszene hat mir erzählt, man muß. Vermutlich bin ich schon zu alt dafür…

  2. 2 untifo 09. Mai 2007 um 16:57 Uhr

    Das mit dem „Querfrontstrategen“ fällt wohl selbst unter Resentiment. Kann man Elsässer nicht für das kritisieren, was er tatsächlich macht, statt mit den üblichen Beleidigungen herumzuwerfern?

  3. 3 Administrator 11. Mai 2007 um 10:55 Uhr

    Das mit dem “Querfrontstrategen” fällt wohl selbst unter Resentiment. Kann man Elsässer nicht für das kritisieren, was er tatsächlich macht, statt mit den üblichen Beleidigungen herumzuwerfern?

    Ich habe in der Tat Ressentiment* (Ärger, Groll) gegen Leute, welche die Deutschen zur unterdrückten Mehrheit erklären, „albanische Drogendealer“ abschieben möchten und sich für Rechtsextreme in der Slowakei begeistern.
    „Querfrontstratege“ ist keine Beleidigung oder eine Übertreibung, sondern eine Feststellung oder hast du den obigen Link
    Der (S)choc(k) des Monats – Oder: Wie Jürgen Elsässer zur extremen Rechten kam
    nicht gelesen?

    *Lieblings-“Argument“ der Postantideutschen dicht gefolgt von „Wahn“ und „Projektion“.

  4. 4 untifo 12. Mai 2007 um 16:08 Uhr

    Das ist doch alles so langweilig. Elsässer hat nicht „die Deutschen“ zur „unterdrückten Minderheit erklärt“, sondern gefordert, sich anstatt mit sog. „Minderheitenpolitik“ mal wieder mit Kapitalismus und Ausbeutung zu beschäftigen. Negativbeispiele für reaktionäre Politik im Namen von Frauen, Homosexuellen usw gibt es zu Hauf. Warum nicht mal wieder grundsätzliche Kritik am System üben? Negativ ist doch an Elsässers Forderung nur das Gegeneinander ausspielen von Kapitalismuskritik und Emanzipationsforderungen – als ob nicht beides zusammengehörte. Zu dem Interview in der rechten Zeitung hat er sich bereits geäußert – hätte er gewußt, um wen es handelt, hätte er das Interview nicht gegeben. Davon abgesehen geben leider ziemlich viele Leute rechten Medien Interviews. Das reicht aber noch lange nicht für den Vorwurf „Querfrontstratege“ – dazu müßte man schon konkrete Forderungen nach Zusammenarbeit mit Faschos äußern, und das macht E. nun mal nicht.

  5. 5 Administrator 19. Mai 2007 um 17:48 Uhr

    Das ist doch alles so langweilig. Elsässer hat nicht “die Deutschen” zur “unterdrückten Minderheit erklärt”, sondern gefordert, sich anstatt mit sog. “Minderheitenpolitik” mal wieder mit Kapitalismus und Ausbeutung zu beschäftigen. Negativbeispiele für reaktionäre Politik im Namen von Frauen, Homosexuellen usw gibt es zu Hauf. Warum nicht mal wieder grundsätzliche Kritik am System üben?

    Was mich langweilt ist die Tatsache, dass du scheinbar immer noch nicht die obigen Links und die zugehoerigen Artikel von Elsaesser gelesen hast. Elsaesser suggeriert, dass die Deutschen eine unterdrueckte Mehrheit waeren:

    Der Fordismus war vor allem ausländerfeindlich, der Neoliberalismus ist vor allem inländerfeindlich

    oder in dem Artikel „Der Osten wehrt sich“:

    Mit Staatsknete wird Multikulti, Gendermainstreaming und die schwule Subkultur gefördert, während die Proleten auf Hartz IV gesetzt werden und sich oft auch keine Kita, kein Schwimmbad und keine warme Wohnung mehr leisten können.

    Das ist keine „grundsaetzliche Kritik am System“, sondern gar keine.
    Den Hartz IV Empfaengern geht es doch nicht deshalb schlecht, weil so viel Geld fuer Schwule und Auslaender ausgegeben wird!
    Das sind absurde Luegenmaerchen und sonst nichts!

    Zu dem Interview in der rechten Zeitung hat er sich bereits geäußert – hätte er gewußt, um wen es handelt, hätte er das Interview nicht gegeben. Davon abgesehen geben leider ziemlich viele Leute rechten Medien Interviews. Das reicht aber noch lange nicht für den Vorwurf “Querfrontstratege” – dazu müßte man schon konkrete Forderungen nach Zusammenarbeit mit Faschos äußern, und das macht E. nun mal nicht.

    Ich kaufe es ihm kaum ab, dass er das nicht gewusst hat, nachdem was er in letzter Zeit von sich gibt. Auch wenn das so ist, dann hat er zumindest hier explizit eine „Querfront“ (OTon Elsaesser) gelobt:


    Einer der beiden Koalitionspartner von Smer, nämlich die Slowakische Nationalpartei (SNS), kommt tatsächlich aus einer faschistischen Tradition. Sie bekannte sich bei ihrer Gründung Anfang der neunziger Jahre offen zu Jozef Tiso, der als Diktator von Hitlers Gnaden auch bei der Judenvernichtung mithalf. Selbst wenn sie sich davon distanziert haben sollte, was keiner weiß: Legt man Antifa-Maßstäbe zugrunde, dürfte sich eine Linkspartei nie und nimmer mit einem solchen Partner verbünden.
    (…)

    Vor allem aber: Nur mit der SNS hat Fico eine Mehrheit für seine soziale Wirtschaftspolitik. Hätte er darauf verzichten und es den Gutmenschen in der SPD und anderswo recht machen sollen – um den Preis, daß der Neoliberalismus weitergeht? Grundsätzlich gesagt: Definiert die Antifa die Hauptaufgabe linker Politik – oder der Klassenkampf? Ist überhaupt ein Antifaschismus vorstellbar, der nicht die »aggressivsten Teile des Finanzkapitals« – so die Formulierung der Komintern 1935 – ins Visier nimmt?

    Die Antifa soll also lieber das „Finanzkapital“ bekaempfen und Querfrontregierungen unterstuetzen??
    Da muss man ja Stalinisten wie Dimitroff gegen einen solchen Unsinn verteidigen…
    Sag doch mal was zum Inhalt meines Artikels anstatt Juergen Elsaesser mit nicht aufrecht zu erhaltenden Behauptungen zu verteidigen.
    Was haeltst du denn von der Hetze gegen Albaner und dem Lob von Rechtsradikalen und Faschisten, wie die Serbische Radikale Partei, die fuer Elsaesser eine „antiimperialistische und fortschrittliche Kraft“ darstellt?

  6. 6 untifo 02. Juni 2007 um 17:35 Uhr

    Die obigen Artikel von Elsässer kenn ich alle, und sein antialbanischer Rassismus, den er schon als „Antideutscher“ drauf hatte, ist wirklich mehr als kritisierenswert. Den pflegt er immer noch, so hat er z.B. die Linkspartei für die grundsätzliche Kritik an Abschiebungen gescholten – für albanische Mafiosos sollte das wenns nach ihm geht nicht gelten usw.

    Die Unterscheidung in faschistische (Albaner, Araber, Iraner, etc.) und antifaschistische Völker (US-Amerikaner, Briten und seit neustem Deutsche), wie sie „Antideutsche“ heute noch vornehmen, ist dumm und gefährlich zugleich. Mit Nation vs. Volk hat das im heutigen Diskurs kaum noch was zu tun – das war jugoslawienspezifische Tagespolitik.

    Damit, dass linke Politik mehr sein muss als die Unterstützung von bunten Minderheiten-Praden und reaktionären Gender Mainstreaming-Projekte, geh ich trotzdem noch d`accord.

  7. 7 Administrator 06. Juni 2007 um 14:35 Uhr

    Die obigen Artikel von Elsässer kenn ich alle, und sein antialbanischer Rassismus, den er schon als “Antideutscher” drauf hatte, ist wirklich mehr als kritisierenswert. Den pflegt er immer noch, so hat er z.B. die Linkspartei für die grundsätzliche Kritik an Abschiebungen gescholten – für albanische Mafiosos sollte das wenns nach ihm geht nicht gelten usw.

    Dann sind wir uns ja einig.

    Damit, dass linke Politik mehr sein muss als die Unterstützung von bunten Minderheiten-Praden und reaktionären Gender Mainstreaming-Projekte, geh ich trotzdem noch d`accord.

    Bei Elsässer klingt das aber nach rechtspopulistischen Positionen ähnlich wie Nitzsches „Multi-Kulti-Schwuchteln in Berlin“.
    Was ist denn reaktionär an Gender Mainstreaming?

  8. 8 untifo 06. Juni 2007 um 15:29 Uhr

    „Was ist denn reaktionär an Gender Mainstreaming?“

    Die Form in der das in staatlichen Organen, von Bund bis Kommune, abläuft. Da werden überholte Geschlechter-Dualismen ausgepackt, und dann erklärt, man müßte für Frauen und Männer auf Geschlechterklischees bezogene Unterschiede anerkennen und unterstützen. So werden Frauen wieder auf ihre angeblich emotionale Natur usw., die v.a. zum Kinder groß ziehen taugt, festgelegt.

  1. 1 bigberta.twoday.net Trackback am 09. Mai 2007 um 0:27 Uhr

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