Female Genital Cutting und Islam

Lysis berichtet über das vollständige Verbot der weiblichen Genitalverstümmelung in Ägypten.

Da die so genannte „Frauenbeschneidung“ häufig auf den „Islam an sich“ zurückgeführt wird, sei hier noch auf einen Bericht der Süddeutschen Zeitung hingewiesen:

Frauenbeschneidung ist nicht nur in Ägypten, sondern auch in anderen Staaten Afrikas und in einigen arabischen Ländern wie dem Jemen verbreitet. In Ägypten gibt es sie auch bei den Kopten, überaus konservativen orthodoxen Christen. Die Frauenbeschneidung ist ohnehin kein ursprünglich islamisches Phänomen. Als „pharaonische Beschneidung“ war sie lange vor der Islamisierung Arabiens und Nordafrikas bekannt.

Die führenden ägyptischen Islam-Gelehrten stellen sich daher stets an die Seite der Regierung und verurteilen die Beschneidung als unislamisch. Einzelne Gelehrte beharren aber auf ihrer Übereinstimmung mit dem muslimischen Glauben. Der traditionelle Volksislam hat die Verstümmelung junger Frauen über die Jahrhunderte ohnehin fest in sein System gesellschaftlicher Konventionen eingebaut: Die Beschneidung sei zwingend, weil nur sie die Keuschheit der Frau und die Treue in der Ehe garantieren könne. Der Widerstand von Teilen der meist konservativen Bevölkerung gegen einen Verzicht auf Frauenverstümmelung ist entsprechend groß.

Dem ist noch hinzuzufügen, dass auch gerade die ägyptischen IslamistInnen zu den vehementen GegnerInnen der Genitalverstümmelung gehören. Entgegen der vorherrschenden westlichen Sichtweise ist der Islamismus eben kein archaisches Relikt, sondern eine antitraditionelle Bewegung, die den Umsturz der bestehenden Ordnung propagiert und sich damit häufig gegen den so genannten „Volksislam“ und regionales „Brauchtum“ richtet:

Schwerer zu erklären ist die erstaunlich starke Beteiligung von
Frauen an islamistischen Bewegungen. Doch auch ihnen kann der
Islamismus im Vergleich zum real existierenden Patriarchat Vorteile
bringen. Immerhin erben sie nach koranischem Recht die Hälfte, in
vielen islamischen Gesellschaften bekommen sie weniger oder gar
nichts. Zudem ist auch die reaktionäre Rebellion des Islamismus ein
Aufstand gegen die väterliche Autorität und die Tradition. Islamisten
lehnen Zwangsheiraten und die Genitalverstümmelung von Frauen
ab, in Ägypten ging eine islamistische Gruppe sogar einmal militant
gegen eine Beschneidungszeremonie vor.
(Jochen Müller »Ein Schandmal auf der Stirn der Araber.« Antisemitismus im arabischen Nationalismus und Islamismus, In: Kp Berlin „Islamismus- Kulturphänomen oder Krisenlösung?“)

Auch in Somalia erliessen islamische Geistliche eine Fatwa gegen die Genitalverstümmelung.


2 Antworten auf “Female Genital Cutting und Islam”


  1. 1 xyz 19. Juli 2007 um 7:49 Uhr

    Na toll, wirklich fortschrittlich diese Islamisten, eine antitraditionelle Bewegung die ins 7. jahrhundert zurück will.

  2. 2 abdelkader 21. Juli 2007 um 13:37 Uhr

    Na toll, wirklich fortschrittlich diese Islamisten, eine antitraditionelle Bewegung die ins 7. jahrhundert zurück will.

    Ja, die Zeit des Propheten oder die Zeit des Kalifats im Osmanischen Reich wird von Hamas und Muslimbruderschaft als Idealbild betrachtet.
    Idealbild bezogen aber auf die Verwirklichung einer “islamischen Herrschaft”, wo der Staat (angeblich) nur noch der Souveränität Gottes unterstellt ist. Das Osmanische Reich oder das 7. Jahrhundert gelten aber nicht als ökonomisches Vorbild.
    Selbst wenn die Islamisten eine vormoderne Wirtschaftsform einführen wollen würden, dann wäre die Frage, inwieweit das überhaupt realisierbar wäre.
    Gegen moderne Technik oder ökonomische “Entwicklung” haben die Islamisten noch nie etwas einzuwenden gehabt.
    Und antitraditionell sind sie de facto, wenn sie sich gegen „Traditionen“ wie eben die Genitalverstümmelung wenden, auch dann wenn sie sich selbst als die „wahre Tradition“ darstellen und solche Praxen als unislamischen Abfall vom ursprünglichen Glauben betrachten. Schon mal was von „the Invention of Tradition“ gehört?

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