300 Antideutsche

Als ich neulich den Film 300 im Kino sah, fragte ich mich, ob wohl Ernst Jüngers In Stahlgewittern die Vorlage von diesem Gebräu aus Rassismus, Dolchstosslegende, Judas-der-Verräter, Homophobie und Eugenik war.

300
"Asiatische Horden"

Ich erinnerte mich aber auch, was ich einmal in einen CEE IEH-Artikel gelesen hatte, dass es nämlich falsch sei:

Griechen, die an den Thermophylen ihre zivilisatorischen Errungenschaften gegen die Perser verteidigten, vorzuwerfen, sie wären Anhänger der Sklavenhaltergesellschaft gewesen.

xerxes
Der effeminierte Orientale


8 Antworten auf “300 Antideutsche”


  1. 1 miller 08. Juli 2007 um 13:51 Uhr

    am besten gefiel mir wie die königin zur spartaner versammlung sagte: „freedom isn‘t free“ (die szene kommt im orginal comic nicht vor)

    habe aber den doch mal 2-3 fragen

    1. wo ist denn bei dem movie der rassismus? weil die perser braungebrannt sind?
    2. ist jeder film bei dem es u.a. (!) um – äehm – „liebe und verrat geht“ dolchstosslegenden mäßig am start?
    3. wie hätte den das ganz anders (besser?) dargestellt werden sollen? die perserkrieg waren nunmal nicht die love-parade

  2. 2 B 10. Juli 2007 um 11:02 Uhr

    Man muss aber nun wirklich nicht jedes anti-orientalische Ressentiment der alten Griechen – solche Vorurteile kommen übrigens schon bei Herodot vor – reproduzieren und auch noch verstärken. ich kenne leider keine Selbstzeugnisse der Perser. Aber deren Betrachtung wäre doch für eine objektivere Darstellung der Ereignisse förderlich.

    Auch in der Antike gab es Propagnada. Und welche zivilisatorischen Errungenschaften gegen die Perser verteidigt werden mussten, würde ich gern auch mal erfahren.

  3. 3 schorsch 11. Juli 2007 um 17:57 Uhr

    „1. wo ist denn bei dem movie der rassismus?“

    da genügt es doch wirklich sich den film einfach anzusehen: die perser tauchen doch vor allem als zottelige monster auf. ich versuche mich grade zu erinnern, ob es im persischen heer überhaupt lebewesen gibt, die einem menschen ähneln.

    übrigens fand ich den film durchaus auch antisemitisch und hat mich an das gerede erinnert, nach welchem „wahre“ und „eherne werte“ gegen die „dekadent-zerfaulte zivilisation“ in anschlag gebracht werden sollen. der perserkönig thront doch auf einem thron aus „bösem mammon“, wie der film suggerieren will. die stufen seiner sitzgelegenheit sind, sofern ich mich richtig erinnere aus einzelnen goldmünzen zusammengesetzt.
    es gibt eine szene, in welcher eine orgiastische persische feier gezeigt wird, der spartiatische „verräter“ ist anwesend und wird von einigen frauen umtanzt. da drückt sich doch eine ganz reaktionäre vorstellung einer „dekadenten“ gesellschaft aus die natürlich mit den persern und ihrem „goldgierigen herrscher“ identifiziert wird. die spartiaten hingegehn erscheinen rustikal-ursprünglich und eigentlich, im prinzip wie ein positiver gegenentwurf von irgendwelchen nationalsozialisten.
    sehr übel ist auch eine kleine szene, die während dem erwähnten fest gezeigt wird. der zuschauer sieht eine frau mit einer verkrüppelten hand. anscheinend wurde hier versucht die idee einer „zersetzen und dekadenten“ gesellschaft mit der vorstellung von „menschlicher degeneration“ zusammenzuführen.

    dann gibt es noch eine vielsagende szene. der anführer der 300 klettert auf einen berg um sich bei irgendwelchen propheten eine kampfgenehmigung oder vorhersage zu hohlen. diese propheten oder wahrsager könnten aus irgendeinem antisemitischen cartoon entlehnt sein. da überrascht es auch nicht, dass sie es sind, die mit goldmünzen der perser bestochen wurden. da diese wahrsager, wenn ich das korrekt im gedächtnis habe, ihren berg nie verlassen, nutzt denen das geld nichts. aber neben einem stereotypen vorstellung über ein vermeintlich „jüdisches äußeres“ wurde aus dem antisemitsichen comic wohl direkt noch die vorstellung „goldgieriger“ eigenschaft übernommen.

    auch das parlament bzw. deren vorsitzender wird bestochen und versucht, ganz schlimm pazifistisch, den kampf der 300 aufzuhalten. das bild eines korrupten, fremdgesteuerten parlaments, zu „weich“ für wirkliche entscheidungen gibt es auch nicht nur in „300“…
    in dieser szene scheint außerdem undmeokratischen antiparlamentarismus durch, der lieber einen starken mann als entscheidungsträger, als anführer des staates sehen würde.
    na ja, ich musste mich grad mal ein wenig über dieses machwerk auskotzen, was wirklich ziemlich vielen leuten sehr gut gefallen hat.

  4. 4 schorsch 11. Juli 2007 um 18:15 Uhr

    das machwerk, nicht mein erbrochenes ;-)

  5. 5 narodnik 11. Juli 2007 um 20:49 Uhr

    Ich schaue mir aktuelle Filme garnicht an. Schon alleine diese computeranimierten Landschaften sind scheiße. Ich gucke lieber 60er-Jahre-Kriegsfilme mit Clint Eastwood und Richard Burton. …zwar sexistisch, aber egal. :>

  6. 6 fitzcarraldo 12. Juli 2007 um 20:47 Uhr

    man kann das auch ganz anders sehen:

  7. 7 fitzcarraldo 12. Juli 2007 um 20:49 Uhr

    wo ist denn mein quote hin?

    das sollte kommen:

    Spartakus sitzt nicht im Pentagon
    Exil-Iraner sehen sich als „Barbaren“ verunglimpft, Bush-Kritiker halten „300″ für eine üble Manifestation des „patriotischen Militarismus“ – Slavoj Zizek über den Hollywood-Kassenschlager
    Zack Snyders Kinofilm „300″ über die Saga der 300 Soldaten aus Sparta, die sich an den Thermopylen opferten, um die Invasion des persischen Heeres von Xerxes aufzuhalten, wurde als die schlimmste Form von patriotischem Militarismus mit deutlichen Anspielungen auf jüngste Spannungen mit dem Iran und Ereignisse im Irak kritisiert. Ist das alles aber wirklich so klar? Der Film sollte gegen derartige Anschuldigungen vielmehr verteidigt werden.

    Zwei Gesichtspunkte sind hier vor allem erwähnenswert – zunächst im Hinblick auf die Geschichte des Films selbst: Es ist die Geschichte eines kleinen und armen Landes (Griechenland), in das die Armee eines weitaus größeren Staates (Persien) einmarschiert, der zum damaligen Zeitpunkt entwickelter und dessen Militärtechnologie ausgefeilter ist – denn sind die persischen Elefanten, Riesen und großen Feuerpfeile nicht einfach die altertümliche Version von High-Tech-Waffen?

    Als die letzten Überlebenden der Spartaner und ihr König Leonidas von den Tausenden Pfeilen getötet werden, werden sie nicht auch irgendwie von Techno-Soldaten zu Tode bombardiert, die aus sicherer Distanz ausgeklügelte Waffen bedienen, wie eben auch die heutigen US-Soldaten, die die Raketenknöpfe von sicheren Kriegsschiffen aus weit weg im persischen Golf abdrücken?

    Und die Worte, mit denen Xerxes Leonidas dazu bringen will, die Vorherrschaft der Perser zu akzeptieren, klingen deutlich nicht wie die Worte eines fanatischen muslimischen Fundamentalisten: Er versucht, Leonidas zur Unterwerfung zu verführen, indem er ihm Frieden und Sinnesfreuden verspricht, wenn dieser sich der persischen Weltmacht wieder anschließt. Worum er ihn bittet, ist lediglich eine formale Geste des Niederkniens und der Anerkennung der persischen Übermacht. Täten dies die Spartaner, würde ihnen höchste Herrschaftsgewalt über ganz Griechenland zuteil. Hat nicht genau dasselbe auch Präsident Reagan von der sandinistischen Regierung in Nicaragua verlangt?

    Und wird Xerxes‘ Hof nicht als eine Art Paradies multikultureller Lebensstile dargestellt? Jeder nimmt dort an Orgien teil, mit unterschiedlichen Rassen, Lesbischen und Schwulen, Krüppeln usw.? Sind da die Spartaner, mit ihrer Disziplin und ihrem Opfergeist, nicht den Taliban viel ähnlicher, die Afghanistan gegen die US-amerikanische Besatzung verteidigen (oder, in der Tat auch der Elitetruppe der Iranischen Revolutionsgarde, die bereit ist, sich im Fall eines US-Einmarsche zu opfern?) Die griechische Hauptwaffe gegen diese überwältigende militärische Übermacht besteht in Disziplin und Opfergeist, und wie Alain Badiou sagt: „Wir brauchen eine Disziplin des Volkes. Ich würde sogar behaupten (…), dass all jene, die nichts haben, nur ihre Disziplin haben. Die Armen, also alle ohne finanzielle oder militärische Mittel, all jene Machtlosen – alles, was ihnen zur Verfügung steht, ist ihre Disziplin, ihre Fähigkeit, zusammen zu handeln. Diese Disziplin stellt aber bereits eine Form der Organisation dar.“ Im heutigen Zeitalter hedonistischer Permissivität als herrschender Ideologie ist es für die Linke an der Zeit, die Konzepte von Disziplin und Opfergeist neu zu überdenken: Diese Werte sind einfach nicht von Natur aus „faschistisch“.

    Aber auch diese fundamentalistische Identität der Spartaner ist zweideutiger. Eine programmatische Aussage gegen Ende des Films definiert die griechische Agenda als „gegen die Herrschaft von Mystik und Tyrannei gerichtet, hin zu einer glorreichen Zukunft“, was dann im Folgenden als die Herrschaft von Frieden und Vernunft ausgeführt wird. Das klingt nach einem Basis-Programm der Aufklärung, sogar mit kommunistischem Touch! Erinnern Sie sich auch daran, dass Leonidas zu Beginn des Films ausdrücklich die Botschaft der „korrupten“ Orakel verwirft, wonach die Götter die Militärexpedition gegen die Perser verbieten. Später erfahren wir, dass die „Orakel“, die angeblich die Götter-Botschaft in ekstatischer Trance empfingen, in Wirklichkeit von den Persern bezahlt wurden – wie das „Orakel“ in Tibet, das 1959 dem Dalai Lama weissagte, er solle Tibet verlassen, das aber, wie wir heute wissen, auf der Gehaltsliste der CIA stand!

    Wie aber steht es mit der offensichtlichen Absurdität der Idee von Würde, Freiheit und Vernunft, die aber gleichzeitig von einer extremen militärischen Disziplin aufrechterhalten wird, einschließlich der Praxis, sich schwacher Kinder zu entledigen? Diese „Absurdität“ ist ganz einfach der Preis der Freiheit. Freiheit ist nicht frei, wie sie es im Film darstellen. Freiheit ist nichts Gegebenes, stattdessen muss sie in einem harten Kampf zurück gewonnen werden, in dem der Einzelne zu jedem Risiko bereit sein sollte. Die spartanische unbarmherzige Militärdisziplin ist nicht einfach das sichtbare Gegenteil der Athener „liberalen Demokratie“, vielmehr ist sie auch deren Bedingung und ihr Grundstein: das freie Subjekt der Vernunft kann sich nur durch unbarmherzige Selbstdisziplin entwickeln. Wahre Freiheit ist nicht die Freiheit der Wahl, die aus sicherer Distanz geschieht, wie etwa der Wahl zwischen einem Erdbeer- oder einem Schokoladen-Kuchen; wahre Freiheit überschneidet sich stattdessen mit Notwendigkeit, denn wirklich frei ist diese Wahl nur dann, wenn sie die eigene Existenz aufs Spiel setzt. Jemand handelt so, weil er oder sie „nicht anders kann“. Wenn das eigene Land unter fremder Besatzung steht, und jemand wird von einem Widerstandsführer dazu aufgerufen, am Kampf gegen die BesatzerInnen teilzunehmen, lautet die Begründung für diesen Aufruf nicht, dass „jeder Mensch freie Wahl hat“, sondern: „Sehen Sie denn nicht, dass Sie nur auf diese Weise Ihre Würde bewahren können?“

    Kein Wunder, dass alle frühen, modernen egalitären Radikalen, von Rousseau bis zu den Jakobinern, Sparta bewunderten und sich das republikanische Frankreich als neues Sparta vorstellten: Es gibt einen emanzipatorischen Kern im spartanischen Geist der Militärdisziplin, der auch dann überlebt, wenn wir sämtliches geschichtliches Beiwerk wie die spartanische Klassenherrschaft, den unbarmherzigen Missbrauch und Terrorisierung ihrer Sklaven usw. außer Acht lassen.

    Vielleicht aber noch wichtiger ist der formale Gesichtspunkt des Films: Der gesamte Film wurde in einem Kaufhaus in Montreal gedreht, wobei der Hintergrund wie auch viele Personen und Objekte digital konstruiert sind. Ästhetisch befinden wir uns hier einige Schritte weiter als die Reihen „Krieg der Sterne“ und „Herr der Ringe“. Denn obgleich auch in diesen Filmen viele Hintergrundobjekte und Personen digital erzeugt wurden, entstand hier der Eindruck (realer und) digitaler SchauspielerInnen und Objekte (Elefanten, Yoda, Orks, Paläste usw.), die in eine „reale“ offene Welt versetzt sind; im Film „300″ hingegen sind alle Hauptschauspieler reale Akteure, die in einem künstlichen Hintergrund agieren.

    Diese Kombination erzeugt die weitaus unheimlichere, „geschlossene“ Welt einer „Cyborg“-Mischung aus wirklichen Personen, die in eine künstliche Welt integriert sind. Erst in dem Film „300″ ist es gelungen, mittels „realen“ Schauspielern und Objekten und einer digitalen Umgebung einen neuen, autonomen ästhetischen Raum zu schaffen.

    So entsteht die Wirkung einer „wahren Realität“, die ihre Unschuld verliert und als Teil eines geschlossenen, künstlichen Universums erscheint, die wiederum eine perfekte Figuration unserer sozio-ideologischen Zwangslage ist.

    Jene KritikerInnen, die behaupteten, dass die „Synthese“ der beiden Kunstsparten in „300″ misslungen sei, haben Unrecht aus dem einzigen Grund, dass sie Recht haben: Natürlich muss die „Synthese“ misslingen, natürlich ist das Universum, das wir auf der Leinwand sehen, von einem tiefen Antagonismus und einer Inkonsistenz durchdrungen, aber eben genau dieser Antagonismus ist auch ein Hinweis auf die Wahrheit. (DER STANDARD, Printausgabe, 21./22.4.2007)
    Zur Person
    Slavoj Zizek, geboren 1949 in Ljubljana, Philosoph und Psychoanalytiker, leitet t das Birkbeck Institute for the Humanities in London; zuletzt erschien von ihm bei Suhrkamp das Buch „Parallaxe“. Übersetzung: Dörte Eliass

  8. 8 luz 31. Januar 2009 um 22:59 Uhr

    die spartaner wirken wie taliban :d

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