Ehrenmorde und Scharia?

Im vergangenen Jahr erschien im Conne Island Newsflyer der Text Frauen und die Scharia im Islam. Von den ganzen Falschbehauptungen über den Islam möchte ich einmal absehen und mich stattdessen auf das Schreckgespinst der „Parallelgesellschaften“ konzentrieren.

In Parallelgesellschaften leben Menschen in Gemeinschaften abgekoppelt von ihrer Umgebung und natürlich ohne Bezug zum Rechtssystem des jeweiligen Staates, in dem sie sich befinden. Ob die Menschen in diesen Parallelgesellschaften jenes Rechtssystems ablehnen oder, wie es bei Frauen oft der Fall ist, auf Grund von nicht vorhandenen Sprachkenntnissen oder Angst vor dem Fremden bzw. dem Alleine sein, keinen Zugang zu diesem haben, ist nicht wesentlich. Im Grunde brauchen sie das Rechtssystem nicht. Der Islam hat ein eigenes Gesetz, ja ein Rechtssystem über Staatsgrenzen hinaus.

So die Definition der CEE IEH-AutorInnen. „Parallelgesellschaften“ in Deutschland zeichnen sich angeblich dadurch aus, dass hier nicht die Freiheitlich-Demokratische-Grundordnung gelten würde, sondern die Scharia. Demzufolge müsste die Mehrheit der muslimischen MigrantInnen, oder zu mindest ein bedeutender Anteil, unter dem religiösen Gesetz des Islam leben. Das sieht man zum Beispiel an Stadtvierteln mit einem hohen Bevölkerungsanteil von Muslimen wie Kreuzberg oder Neukölln. Hier gilt das staatliche Gewaltmonopol nicht, nur mit Vollbart kann man sich überhaupt auf die Strasse trauen, ständig wird Dieben die Hand abgehackt und die ganzen Hartz-4-EmpfängerInnen können ihr Dosenbier nur versteckt konsumieren, da sie ansonsten Gefahr laufen, öffentlich ausgepeitscht zu werden…

Wenn Parallelgesellschaften über die Nichteinhaltung des Deutschen Rechts definiert werden, heißt es dann auch, dass DrogendealerInnen Parallelgesellschaften bilden, da sie sich ständig über das deutsche Recht hinwegsetzen und nach ihren eigenen Regeln leben?

Von den Autoren wird nun auch behauptet, dass „Ehremorde“ Konsequenz dieser Parallelgesellschaften seien, da dort ja die Scharia gelte.

Was haben Ehrenmorde mit der Scharia zu tun?

Die Antwort mag erstaunen, aber sie lautet: Nichts.
Es gibt nämlich keine (mir bekannte) islamische Autorität, die „Ehrenmorde“ legitimieren würde. Im Gegenteil: es gibt etliche Fatwas, die „Ehrenmorde“ -die im Französischen crimes d‘honneur (Verbrechen der Ehre) genannt werden- explizit verbieten. Diese Fatwas wurden gerade auch von islamistischen Autoritäten ausgesprochen. Mit der reaktionären Ideologie des Islamismus stehen „Ehrenmorde“ also nicht im Zusammenhang, auch wenn viele Leute sich das vielleicht so vorstellen mögen.
Morde im Namen der Ehre sind ein Widerspruch zum islamischen Rechtssystem. Die Scharia behandelt sie ganz ähnlich wie Selbstjustiz vom bürgerlichen Staat gehandhabt wird. Es ist also völlig falsch Ehrenmorde darauf zurückzuführen, dass die in Deutschland lebenden Muslime sich nicht an der FDGO, sondern an der Scharia orientieren würden. Hinzu kommt, dass Ehrenmorde in vielen islamischen Ländern, wie z.B. Indonesien oder Somalia gänzlich unbekannt sind.

Wieder mal ein Beleg dafür, dass man unwidersprochen alle möglichen Abstrusitäten über Muslime behaupten kann.

Zu viel Multikulti-Toleranz?

Das Problem bei der ganzen Geschichte ist nicht, dass Ehrenmorde thematisiert werden, sondern wie und in welchem Kontext sie „kritisiert“ werden. In den Medien erschienen die jüngsten als Resultat einer viel zu toleranten Politik der
„Multikultis, die das Land regier(t)en“
. Personen, die „Ehrenmorde“ verurteilten, sahen sich oft als Gegenstimme zum Mainstream und sogar als Rebellen oder Tabubrecher. Nach dem Prinzip „endlich wagt es mal jemand die Muslime zu kritisieren.“ Als ob das ein Tabu wäre und als ob der Islam im öffentlichen Bild nicht sowieso als besonders brutal und gewalttätig erscheinen würde.
Nichts wäre bescheuerter als Zwangsverheiratungen, „Ehrenmorde“ oder Genitalverstümmelungen unter Berufung auf so etwas wie „Kultur“ oder „Tradition“ zu rechtfertigen. Nur, gab es in den öffentlichen Auseinandersetzungen etwa jemanden, der dies getan hätte? Es mag einige wenige Leute geben, die tatsächlich so etwas legitimieren würden, allerdings niemanden, der wirklich ernst genommen werden würde.

In der Tat gibt es Multikulturalismus, der Menschen als Anhängsel ihrer „Kultur“ betrachtet und ihr Verhalten stets aus dieser „Kultur“ ableitet. In der Tat ist dies auch sehr kritikwürdig. Die so genannte „Islamkritik“ verwirft den Kulturalismus aber nicht, sondern teilt seine Grundannahmen. Lediglich die Bewertung stimmt nicht überein.
Auch hier wird sich auf Herkunft, „Kultur“ oder den Islam berufen, wobei dies bei Menschen ohne „Migrationshintergrund“ nie ins Feld geführt werden würde. Wenn ein Deutscher Mann seine Frau schlägt, wird dies ja auch nicht aus seinem „Nationalcharakter“ oder aus der besonders patriarchalischen Religion des Christentums erklärt. Anders bei „Ehrenmorden“, Zwangsverheiratungen oder „Frauenbeschneidung“, allesamt lokale Phänomene, die mit „dem Islam an sich“ nicht viel zu tun haben; sie werden „den Muslimen“ angedichtet, die gar nicht anders handeln könnten, da sie von ihrer „barbarischen Religion“ angetrieben werden würden.
Werden Kulturrelativismus und Multikulturalismus von dieser „Islamkritik“ völlig zu Recht auseinander genommen? Nein, denn genau das passiert eben nicht. Die Kritik ist gar keine, sondern ebenfalls eine Kulturalisierung des Sozialen, bloß unter negativem Vorzeichen. Die „Anderen“ werden nicht mehr für ihre „exotischen Bräuche“ bewundert, sondern für ihre „rückständige und barbarische“ Kultur verachtet. Wenn Antifeministen wie Jean-Marie Le Pen, Jörg Schönbohm oder Justus Wertmüller Frauenrechte in islamischen Ländern einfordern, wenn Leute, die schon mal eine Vergewaltigung als „schlechten Sex“ bezeichnen, sich gegen Zwangsverheiratung und sexuelle Gewalt in „migrantischen Milieus“ aussprechen, oder ausgerechnet die Leute, die zur Verstümmelung von Intersexuellen aufrufen, gegen Female Genital Mutilation wettern, was soll das sein, wenn nicht Kulturrelativismus?


34 Antworten auf “Ehrenmorde und Scharia?”


  1. 1 ghjk 10. September 2007 um 21:04 Uhr

    Wobei sich natürlich schon die Frage aufdrängt, warum es Ehrenmorde praktisch nur in islamischen Gesellschaften bzw. Parallelgesellschften gibt. Könnte das vielleicht doch etwas mit dem Islam zu tun haben?

  2. 2 Serdar 10. September 2007 um 21:54 Uhr

    Gibt es auch in Sizilien. Auch bei yezidischen Kurden und in allen übrigens Ländern und Kulturen. Da heißt es halt Mord aus Eifersucht.

    Wenn jemand wissen will ob es Ehrenmord im Islam gibt, sollte doch einfach mal nachschauen obs der Islam vorschreibt. So leicht bekommt man eine Antwort.

  3. 3 JeanPaul 11. September 2007 um 12:14 Uhr

    In Sizilien? Wann denn, vor 100 Jahren oder vor 150?

    In Deutschland gab es in den letzten 10 Jahren 48 (!) Ehrenmorde, die fast alle im islamischen Milieu begangen wurden (http://stophonourkillings.com/index.php?name=News&file=print&sid=193), woher kommt das?

  4. 4 Serdar 11. September 2007 um 12:57 Uhr

    Die Frage ist nicht beantwortet, was hat das mit dem Islam zu tun? Und was ist denn ein „islamisches“ Milieu? Und alle Muslime sind auch gläubige und fromme Menschen oder wie? Schon mal daran gedacht, das denen die Religion egal sein kann? Schon mal gehört, das jemand islamisch ein Ehrenmord begründet hat, sind da irgendwelche Gebote und Verse zitiert worden? Natürlich nicht, weil es die nicht gibt. Der Islam schreibt das nicht vor, alles andere ist eine Erfindung.

  5. 5 antifa6000 11. September 2007 um 13:41 Uhr

    „Wobei sich natürlich schon die Frage aufdrängt, warum es Ehrenmorde praktisch nur in islamischen Gesellschaften bzw. Parallelgesellschften gibt.“

    Weil die Mehrheitsgesellschaft „Ehrenmorde“ als „islamisch“ definiert. Also werden auch nur islamische Ehrenmorde gefunden. Die Morde von christlichen Männern an ihren Ehefrauen und Töchtern werden einfach nicht als Ehrenmorde betrachtet.

  6. 6 JeanPaul 12. September 2007 um 12:35 Uhr

    Falsch, unter Ehrenmord versteht man „die vorsätzliche Tötung (Ermordung) eines Menschen, durch die – aus der Sicht des Täters – die Ehre des Getöteten, des Täters oder einer dritten Person oder Personengruppe wiederhergestellt werden soll.“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Ehrenmord) Von Islam ist da keine Rede, auch nicht von Eifersucht.

    Wieviele Deutsche haben in den letzten zehn Jahren ihre Töchter oder Schwestern abgestochen, weil diese einen Muslim heiraten wollten?

  7. 7 bigmouth 12. September 2007 um 14:36 Uhr

    dieses ehrkonzept ist nich islamisch, das ist wesentlich älter. ich hab letztens erst gelesen, dass bei den alten griechen es auch nich völlig ungewöhnlich war, wenn ein vater seine tochter umbrachte, wenn sie (egal ob freiwllig oder nicht!!!) vorehelichen sex hatte, und der typ sie darauf hin nicht heiratete

  8. 8 MPunkt 12. September 2007 um 15:04 Uhr

    Falsch, unter Ehrenmord versteht man “die vorsätzliche Tötung (Ermordung) eines Menschen, durch die – aus der Sicht des Täters – die Ehre des Getöteten, des Täters oder einer dritten Person oder Personengruppe wiederhergestellt werden soll.”

    Und wo kommt aus dieser Definition jetzt das „Falsch“ her? Seine Ehre wieder herstellen, das will doch der Täter noch bei jedem Mord aus Eifersucht. Weil er an den Partner den Anspruch stellt, dass dieser ihn voll und ganz um seiner selbst anerkennen und somit Glück bescheren soll, fühlt er sich auch völlig in seiner Persönlichkeit, seiner Ehre, gekränkt, wenn dieser unrealistische Anspruch logischer Weise nicht aufgeht. Der Mörder aus Eifersucht zieht daraus nun den Schluss, den Partner (und/oder den Anderen) zu bestrafen, weil der ihm seinen Anspruch nicht erfüllt hat. Das kann schließlich nur am Partner (und/oder den ihn verführt habenden anderen) liegen und nicht am Anspruch. Weshalb sich der Eifersuchtsmörder mit seiner Tat die Berechtigung seines Anspruchs noch einmal bestätigt. An ihm, an seiner ehr- und liebeswürdigen Persönlichkeit, hat es jedenfalls nicht gelegen.

    Und ja: diese strunzbürgerliche Scheiße zählt genau deswegen nicht als Ehrenmord, weil diese Bezeichnung für die Bestätigung des Feinbilds Islam reserviert ist.

  9. 9 bigmouth 12. September 2007 um 15:18 Uhr

    der unterschied liegt doch darin, worin der ehrverlust besteht, und in welcher beziehung das opfer zu einem steht. das ist doch offenkundig ein anderes ehrverständnis, wenn ich meine schwester umbringe, wenn sie mit nem dritten rummacht, oder meine ex. der ehrenmord passiert dann, wenn der bereich der ehre noch ausgedehnt ist auf taten von familienmitgliedern. den unterscheid zu benennen, daran ist zunächst gar nichts verkehert, weil es den gegenstand korrekt bestimmt

  10. 10 antifa6000 12. September 2007 um 16:06 Uhr

    „Falsch, unter Ehrenmord versteht man “die vorsätzliche Tötung (Ermordung) eines Menschen, durch die – aus der Sicht des Täters – die Ehre des Getöteten, des Täters oder einer dritten Person oder Personengruppe wiederhergestellt werden soll.” (http://de.wikipedia.org/wiki/Ehrenmord) Von Islam ist da keine Rede, auch nicht von Eifersucht.“

    Eine Definition auf Wikipedia schert niemanden, insbesondere nicht die deutsche Presse, aus der Du & der Rest des deutschen Mobs ja die „Informationen“ über Ehrenmorde haben.

    „Wieviele Deutsche haben in den letzten zehn Jahren ihre Töchter oder Schwestern abgestochen, weil diese einen Muslim heiraten wollten?“

    Jetzt hältst Du Dich plötzlich selber nicht mehr an die Wikipedia-Definition. Davon abgesehen erfährst Du über deutsche Ehrenmorde eben deswegen in der Presse nichts, weil sie dort nicht als Ehrenmorde behandelt werden. Natürlich töten christliche Männer ebefalls Frauen und Töchter, wenn die Ihnen „Schande“ bringen. Nur davon willst weder Du, noch Medien, noch der Mob etwas wissen. Frag doch mal bei Initativen gegen häusliche Gewalt nach Deutschen, die Frau oder Tochter umgebracht haben, vielleicht ändert sich dann auch Dein rassitisches Weltbild ein bißchen.

  11. 11 tenpounds 12. September 2007 um 17:15 Uhr

    @c0unt: Das ist doch Unsinn, jetzt den Begriff für dein Argument umdeuten zu wollen. „Ehrenmord“ gibt es nur im Paket mit den bösen Musels. Hat abdel doch oben beschrieben: Deutsche können per definitionem überhaupt keinen „Ehrenmord“ begehen, diese Tat wird besonders schlimm nicht durch ihre Art und Weise oder ihre Umstände, sondern durch die Herkunft der Täter. Da wird ein fremdenfeindlicher Kontext dieses Begriffs kritisiert und deutlich gemacht. Deine Herumphilosophierei spielt denen in die Hände, die im Islam nichts als Terror, Gewalt und sowieso am besten gleich den Weltuntergang sehen wollen!

  12. 12 tenpounds 12. September 2007 um 17:23 Uhr

    „Wenn ein migrationsfreier Deutscher es nicht erträgt, daß seine Freundin sich von ihm getrennt hat oder seine Frau sich von ihm scheiden lassen will oder seine Geliebte von einem anderen bestiegen wird, er daraufhin durchdreht und ihr das Leben nimmt, dann kommt in der Regel niemand auf die Idee, danach zu fragen, ob die Bluttat vielleicht einen kulturellen oder gar religiösen Hintergrund hat. Heißt der Mörder statt Uwe oder Kevin jedoch Mehmet oder Süleyman, so macht ihn das sofort verdächtig, an rückständigen Ehrbegriffen festzuhalten, zumal wenn er je eine Moschee von innen gesehen hat. Dann muß, was sonst als schlichte Beziehungstat durchginge, zum kulturellen Konflikt aufgewertet werden.“ (Stefan Broniowski, „Eure Mörder – unsere Mörder“, Gigi Nr. 51)

    Und btw: als ob sowas wie Familienehre nicht auch bei christlichen Deutschen hoch im Kurs stünde, besonders z.B. in dörflichen Strukturen. Nur interessiert das eben niemanden, was sich da für „Parallelgesellschaften“ bilden, eben, weil es keine Musels sind.

  13. 13 MPunkt 12. September 2007 um 21:05 Uhr

    @ bigmouth: Du machst da aber nur nen Gegenstandswechsel, statt einen Einwand zu bringen. Wenn Ehrenmord u.a. damit definiert wird, dass der Täter damit seine Ehre wiederherstellen will, dann ist es dafür schnurz, was der als seine Ehre und ihre Verletzung ausmacht. Dass dieser Vorwurf trotzdem immer nur bei Musels gemacht wird, zeigt, dass er alleine der Feindbildpflege gegen sie dient.

  14. 14 ghjk 12. September 2007 um 21:17 Uhr

    Wenn das ganze nun nichts mit dem Islam zu tun hat, müsste man das doch aus anderen ursachen erklären können, aber hier wird nicht der leiseste Ansatz dazu gemacht, es wir vielmehr das Phänomen als solches /das empirisch nachgewiesen ist) verleugnet.

    Könnte es nicht sein, dass das Verhältnis der Geschlechter nach islamischem Verständnis, z.B. die Erlaubnis Frauen zu schlagen, das Verbot der Heirat von Musliminnen mit Nichtmuslimen und überhaupt der ganze Kulturrassismus gegen die Ungläubigen dazu führt, dass dieses Phänomen weiter besteht, auch wenn es nicht direkt vom Koran vorgschrieben wird? Irgendwo muss es ja schließlich herkommen.

  15. 15 bigmouth 12. September 2007 um 23:41 Uhr

    die bezeichnung ist verkehrt, weil eifersucht halt auch aus einer ehrverletzung entsteht, und damit „ehrenmord“ am ehesten als ein oberbegriff fungieren sollte.

    der unterscheid des hier verhandelten phänomens zum eifersuchtsmord existiert trotzdem. und wenn deutsche ihre töchter umbringen, weil denen ihr freund nicht passt, und sie davon ihre ehre verletzt sehen ist das das gleiche phänomen. daraus, dass das so nicht berichtet wird, zu folgern, dass phänomen existiere nicht, ist doch unsinn. aus einem sinnvollen politischen ansinnen unsinn zu erzählen (dass es keinen analytischen unterscheid macht, ob ich meine geliebte oder meine tochter umbringe, wegen jeweils anderer sachverhalte)

    und: in südanatolien ist das halt wirklich ein breitenphänomen – eifnach mal googlen. wenn man über diese art v mord redet, dann kann man das nur, wenn man die motivation versteht. und das klappt nicht, wenn man das mit allen anderen beziehungstaten in einen topf wirft.

    @ghjk: da antike griechen, nichtislamsiche kurden und gut katholische europäer das auch so durchzogen und ziehen: wohl nicht. irgendwelche blutfehden wegen familienehre funktionieren nach dem gleichen prinzip – die gibt es im christlichsten europa noch immer!

  16. 16 MPunkt 13. September 2007 um 8:48 Uhr

    @ bigmouth: Wenn man die Identität festhält (Mord, wegen der beleidigten Ehre, um diese wieder herzustellen) leugnet man halt überhaupt nicht die Differenz (Wie ist die Ehre definiert? Wodurch wird sie verletzt?) Das ist schlicht und einfach logisch verkehrt von Dir. Und der Witz ist hier ja gerade, dass die hiesigen Ehrvorstellungen bei den hiesigen Ehrenmorden ausgeklammert werden, um diesen Vorwurf explizit gegen die Musels wenden zu können.

  17. 17 antifa6000 13. September 2007 um 10:06 Uhr

    @ghjk:

    „Wenn das ganze nun nichts mit dem Islam zu tun hat, müsste man das doch aus anderen ursachen erklären können“

    Wie wärs mit Patriarchiat, Geschlechterverhältnis, Familienideologie, Landleben, sozialer Exklusion, etc.?

    Und dass Christen ihre Frauen&Kinder nicht schlagen, willst Du doch nicht ernsthaft behaupten? Ich hab da persönlich ganz andere Erfahrungen gemacht. Kannst ja auch mal ein Frauenhaus besuchen…

  18. 18 bigmouth 14. September 2007 um 13:39 Uhr

    mpunkt: deshalb ist der begriff verkehrt, aber eben so die leugnung der differenz, die tenpounds aus politischen gründen durchziehen möchte. das, was als „ehrenmord“ verstanden wird, wird schon zu recht vom „eifersuchtsmord“ geschieden. die leute machen sich aber nicht klar, dass eifersuchtsmorde ebenso aus dem ehrbegriff (oder der bürgerlichen psychologischen festschreibung des anrechts, geliebt zu werden, wo ich mir nich sicher bin, ob das wirklich äquivalent zu „ehre“ ist) des erwachsen

  19. 19 antifa6000 14. September 2007 um 15:13 Uhr

    „das, was als “ehrenmord” verstanden wird, wird schon zu recht vom “eifersuchtsmord” geschieden.“

    Von wem? Ist mir bisher nicht untergekommen. Und Morde an Ehefrauen und Freundinnen grundsätzlich als „Eifersuchtsmorde“ zu qualifizieren, wäre auch Unsinn. Solche Morde passieren ja u.a. auch, weil der Mann ausflippt, „weil die Alte widerspricht“ oder sich „zuviel Freiheiten rausnimmt“ – also weil der Typ gekränkt ist, dass seine Herrschaft nicht absolut ist, und er vor sich oder anderen nur als „halber Mann“ dastehen könnte.

  20. 20 lampeAN 19. September 2007 um 15:51 Uhr

    „Wenn jemand wissen will ob es Ehrenmord im Islam gibt, sollte doch einfach mal nachschauen obs der Islam vorschreibt. So leicht bekommt man eine Antwort.“

    ob „der“ das zentralistisch vorschreibt ist ja auch falsch, nur die Mörder an Theo Van Gogh haben sich halt da schon explizit auf den Islam berufen bzw jenen Mord als Muslime im Namen ihrer Religion begangen und nicht als gekränkte Familienangehörige oder als beschädigte Liebhaber. Bei Ehrenmorden sollte man halt schon trennen ob die aus privat(familiären) oder aus religiöß bzw politischen Gründen verübt werden.

  21. 21 bigmouth 19. September 2007 um 23:02 Uhr

    das war kein ehrenmord, sondern ein politisches attentat

  22. 22 lampeAN 20. September 2007 um 15:59 Uhr

    naja ok..aber bei diesem Mord sollte ja schon explizit die Ehre des Islam wiederhergestellt werden…

  23. 23 abdelkader 20. September 2007 um 21:06 Uhr

    naja ok..aber bei diesem Mord sollte ja schon explizit die Ehre des Islam wiederhergestellt werden…

    Das könnte man aber auch bei Rachemorden von der ETA an spanischen Polizisten sagen.
    Bigmouth hat schon recht, unter Ehrenmord wird etwas anderes verstanden.

  24. 24 bigmouth 01. Oktober 2007 um 15:47 Uhr

    die jordanier halten ehrenmorde selbst f existent, und räumen ihnen ein sondergesetz ein: http://news.bbc.co.uk/2/hi/middle_east/3088828.stm

  25. 25 vugbnijoklm 17. Dezember 2007 um 10:59 Uhr

    Der Ehrenmord hat eine vorislamische Tradition, er findet in betroffenen Ländern auch in den andersgläubigen Minderheiten statt, wie schon erwähnt bei kurdischen Yesiden, und auch Christen…
    In Brasielien sind Ehrenmorde auch keine Seltenheit, auch in Equador kennt man sie.
    Im Balkan und in Italien ist Blutrache (auch eine Form des Ehrenmordes) ein Begriff (Vendetta in Italien und Korsika), welches ein babylonischer Gesetzestext erstmals regelte, ca. 2000 v. Chr.
    Im Islam ist Scheidung durchaus erlaubt, auch muss die Frau einer Heirat einwilligen, ein Zwang darf nicht vorhanden sein. Keusch in die Ehe zu gehen wird von Mann und Frau erwartet. Damit sind die häufigsten „Gründe“ eines Verbrechens der Ehre schon ein Widerspruch zum Islam.

  26. 26 Serdar 30. September 2008 um 20:40 Uhr

    @lampeAN

    ob „der“ das zentralistisch vorschreibt ist ja auch falsch, nur die Mörder an Theo Van Gogh haben sich halt da schon explizit auf den Islam berufen bzw jenen Mord als Muslime im Namen ihrer Religion begangen und nicht als gekränkte Familienangehörige oder als beschädigte Liebhaber. Bei Ehrenmorden sollte man halt schon trennen ob die aus privat(familiären) oder aus religiöß bzw politischen Gründen verübt werden.

    Ich denke schon das das wichtig ist, was der Islam vorschreibt. Besonders wenn Islamkritiker immer behaupten, das hätte was mit dem Islam zu tun.
    Ich könnte mich auch auf die Straßenverkehrsordnung berufen und dann trotzdem über Rot fahren. Was kann die Verordnung dafür?

    Leute die ihre Tochter oder Schwester umbringen sind keine Islamisten. Ich kann mir gut vorstellen, das der Mörder einen Ehrenmord ablehnen würde, aber im gleichen Atemzug keine Probleme hätte jemanden wie Van Gogh umzubringen.
    Islamismus definiert sich oft in Feindschaft zur überlieferten Tradition oder Sitten.

  27. 27 Karo 01. Dezember 2008 um 12:16 Uhr

    Kann mir jemand mal bitte eine Adresse geben von einer muslimischen Organisation, die öffentlich die Verbrechen kritisiert, die unter dem Deckmantel des Islams und der Scharia stattfinden und die aktiv werden?

    Ich meine Abschaffung von Beschneidung, Hinrichtung, Verletzungen der Menschenrechte, Unterdrückung,…

    Ich kenne nur „MuslimeHelfen.de“, aber das ist humanitäre Hilfe (auch total gut und wichtig), ich meine aber eher politische Hilfe, bzw „religiöse Hilfe“, wenn man das so sagen kann.

    Danke, Gruß…Karo

  28. 28 khalidbinrhubalkhali 22. Dezember 2008 um 19:42 Uhr

    Die Hadithen von Bukhari geleten als authentisch.
    Translation of Sahih Bukhari, Book 82:
    Volume 8, Book 82, Number 814:
    Narrated Abu Huraira:

    A man from among the people, came to Allah’s Apostle while Allah’s Apostle was sitting in the mosque, and addressed him, saying, „O Allah’s Apostle! I have committed an illegal sexual intercourse.“ The Prophet turned his face away from him. The man came to that side to which the Prophet had turned his face, and said, „O Allah’s Apostle! I have committed an illegal intercourse.“ The Prophet turned his face to the other side, and the man came to that side, and when he confessed four times, the Prophet called him and said, „Are you mad?“ He said, „No, O Allah’s Apostle!“ The Prophet said, „Are you married?“ He said, „Yes, O Allah’s Apostle.“ The Prophet said (to the people), „Take him away and stone him to death.“ Ibn Shihab added, „I was told by one who heard Jabir, that Jabir said, ‚I was among those who stoned the man, and we stoned him at the Musalla (‚Id praying Place), and when the stones troubled him, he jumped quickly and ran away, but we overtook him at Al-Harra and stoned him to death (there).‘ “

    --------------------------------------------------------------------------------
    Volume 8, Book 82, Number 815:
    Narrated Abu Huraira and Zaid bin Khalid:

    While we were with the Prophet , a man stood up and said (to the Prophet ), „I beseech you by Allah, that you should judge us according to Allah’s Laws.“ Then the man’s opponent who was wiser than him, got up saying (to Allah’s Apostle) „Judge us according to Allah’s Law and kindly allow me (to speak).“ The Prophet said, „‚Speak.“ He said, „My son was a laborer working for this man and he committed an illegal sexual intercourse with his wife, and I gave one-hundred sheep and a slave as a ransom for my son’s sin. Then I asked a learned man about this case and he informed me that my son should receive one hundred lashes and be exiled for one year, and the man’s wife should be stoned to death.“ The Prophet said, „By Him in Whose Hand my soul is, I will judge you according to the Laws of Allah. Your one-hundred sheep and the slave are to be returned to you, and your son has to receive one-hundred lashes and be exiled for one year. O Unais! Go to the wife of this man, and if she confesses, then stone her to death.“ Unais went to her and she confessed. He then stoned her to death.

  29. 29 Amir 08. Juli 2009 um 10:55 Uhr

    @ khalidbinrhubalkhali

    Diese Hadithe sind nicht authentisch, da sie dem Koran widersprechen. Der Koran sieht keine Todesstrafe für außerehelichen Sex vor. Und der Prophet Mohammed handelte ausschließlich nach dem Gesetz des Korans (steht im Koran). Außerdem hören sich die Hadithe doch lächerlich an.

    Gruss, Amir

  30. 30 Khalidbinrhubalkhali 07. August 2009 um 18:13 Uhr

    @ Amir

    Diese Hadithe sind nicht authentisch, da sie dem Koran widersprechen.

    Wenn Sie das von der Al Azhar in Cairo, in Mekka vom Imam oder in Teheran von den Rligionswächtern bestätigt bekommen, dann veröffentlichen Sie es bitte hier. Sollten Sie es wirklich tun, machen Sie es auf eigene Verantwortung. Ich möchte Sie nicht dazu anstiften, etwas sehr gefährliches zu unternehmen.

    Maa´salama

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