Natascha Wiltings Kreuzzug gegen den islamischen Muessiggang

In ihrem Artikel „Zur Psychopathologie des Islam“ (neuer Titel „Die Lust an der Unlust“), über den hier schon mehrmals berichtet wurde, stellt Natascha Wilting den „moslemischen Mann“ nicht nur als sexgeilen Wahnsinnigen, sondern auch als von seinem Wesen her faul dar. So schreibt sie, dass:

„(…) ihm körperliche Arbeit, schließlich jede Entäußerung seiner selbst, ansonsten als Zumutung (…) gilt (…) und die mühsame Feldarbeit traditionell Beschäftigung der Frau war. Der moslemische Mann gefiel sich seit jeher und mit Grund besser in der Rolle des Kleinhändlers und des großen Caféhausphilosophen und -politikers.1

Ja, ihr habt richtig gelesen. Das steht dort tatsächlich. Natürlich muss das Ganze mit der üblichen „Ich bin ja kein Rassist, aber…“-Argumentation relativiert werden, was in einer Fußnote erfolgt:

„Um einem Mißverständnis vorzubeugen: Nicht dem Ideal der produktiven Arbeit hängt die Autorin an, und auch nicht zur Arbeit unfähig betrachtet sie den islamischen Mann. Anliegen ist es ihr nur, zu erklären, daß ihm psychisch jegliche Affinität zur Arbeit und Fortschritt abgeht, da beide eine Veräußerung seiner selbst zur Folge hätten.“

Der Araber an sich
Haben die nichts zu arbeiten?

Ähnliche Aussagen, wie die oben getätigte, kennt man ja auch von Thilo Sarrazin:

„Eine große Zahl an Arabern und Türken in dieser Stadt hat keine produktive Funktion außer für den Obst- und Gemüsehandel.“

Bei Wilting spielt das Bild vom angeblich faulen Moslem jedoch eine bedeutendere Rolle. In einer Wiederkehr des Kolonialrassismus ist ihr die Arbeitsscheu des „moslemischen Mannes“ ein umfassendes Erklärungsmodell für die von ihr ausgemachten Missstände in der islamischen Welt. Warum sind die Menschen in den arabischen Ländern arm? Weil sie so faul sind, ist Wiltings Antwort. Sie spricht von:

„Ländern etwa der Arabischen Liga, deren gesamtes Bruttosozialprodukt unter dem von Spanien liegt, in denen, wer überhaupt Arbeit hat und nicht von Wohlfahrtszahlungen abhängig ist, zumeist im unproduktiven und mittels Ölrente aufgeblähten staatlichen Sektor tätig ist.“

Woher sie diese Information hat, verrät sie nicht. Abgesehen von der Frage, inwieweit man solche Zahlen überhaupt sinnvoll vergleichen kann und was daraus folgt, schneiden einige islamische Länder in der Rangordnung des Bruttoinlandsprodukts pro Kopf ganz schön gut ab.

Sogar die politischen Konflikte in der Region führt sie auf den Unwillen zur Arbeit zurück, da „islamische Männer“ anscheinend lieber auf dem Schlachtfeld verrecken, als auf dem Acker2 zu arbeiten:

„Kriege wie der zwischen dem Iran und dem Irak, oder auch der Überfall des baathistischen Iraks auf Kuwait können wohl als die letzten verzweifelten Versuche angesehen werden, durch Beutezüge den eigenen Herrschaftsbereich zu erweitern, sich die Welt einzuverleiben, und so zu Ehre und Reichtum zu gelangen, ohne sich produktiv verausgaben zu müssen. Statt nun aber danach zu streben, den Wert der eigenen Arbeitskraft mittels eifrigen Studiums zu erhöhen und sich so für den Markt attraktiv zu machen, verharrt der Mann zumeist in infantiler Pose.“

So fragt man sich, was ist moralisch verwerflich am Kaffeehausbesuch, am Beruf des Händlers und des Philosophen? Gehörte es nicht mal zu den „antideutschen Basisbanalitäten“ Verherrlichung der Arbeit und der Produktionssphäre als Ausdruck von Antisemitismus zu interpretieren? Wieso ist der Ölsektor unproduktiv und sollte die Autorin (zusammen mit Sarrazin) nicht mal bei Karl Marx nachschlagen, was dieser unter produktivem Kapital verstand?

  1. Auch die Georg-Weerth-Gesellschaft weiß Ähnliches zu berichten: „Zudem sind Moscheen anders als Kirchen gar keine sakralen Gebäude, sondern Orte, in denen neben dem Gebet auch Geschäfte und kulturelle wie politische Zusammenkünfte stattfinden.“ [zurück]
  2. Fabriken scheint es dort laut Wilting nicht zu geben. [zurück]

6 Antworten auf “Natascha Wiltings Kreuzzug gegen den islamischen Muessiggang”


  1. 1 jim panse 14. August 2010 um 15:55 Uhr

    jaja, DER islamische mann..

    aber unter dem deckmantel der islamkritik kann man alles schreiben und hat dadurch auch noch das odium des mutigen tabubrechers, aufdeckers, aufklärers

    irgendwann wird sich jemand die arbeit machen und solche „analysen“ (mit gegenüberstellungen wie eifrig-faul) in den zusammenhang stellen in denen sie zu sehen sind

  2. 2 Subprole 14. August 2010 um 18:15 Uhr

    Ich habe den Schwachsinn von dieser Sarrazin-Linken zwar nie gelesen (und werde es auch nicht), da solche Zusammenfassugen vollkommen ausreichend sind – aber auf wessen grandiose völkerpsychologische „Erkenntnisse“ beruft die sich überhaupt?

  3. 3 עבד אל-קאדר 15. August 2010 um 11:13 Uhr

    Sie beruft sich vor allem auf Freud, den sie auf ihr Wissen über „die Muslime“ anwendet, wobei sie, so scheint es mir, eine weitaus orthodoxere Lesart an den Tag legt als die Herausgeberin des Buches Radonic. Zusätzlich ist das Buch „Hinter den Schleiern des Islam“ eine ihrer Hauptquellen, wobei das mit dem 8 Jahre lang stillen dort gar nicht steht. Vieles weiteres in diesem Buch würde Wiltings Thesen widerlegen.

  4. 4 Entdinglichung 16. August 2010 um 11:01 Uhr

    irgendwie fühle ich mich bei AutorInnen wie Wilting und Maul immer leicht an Artur Dinter erinnert

  1. 1 Sex, Lügen und Huntington « rhizom Pingback am 15. August 2010 um 23:13 Uhr
  2. 2 Literaturliste Islamophobie/Islamfeindlichkeit (Stand 13.08.2011) | Serdargunes' Blog Pingback am 13. August 2011 um 22:54 Uhr

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