Archiv der Kategorie 'Antizionismus'

„…über Agenten und Zionisten“

Terminal 119 und Café Morgenland mit einem neuen Text über Antisemitismus und Rassismus in Griechenland, vor allem am Fall von Konstantinos Plevris.

Die Liquidierung des Jüdischen Antifaschistischen Komitees

Das Schlimmste haben wir nicht verhindern können und das, was zum Besten hätte werden können, ist zum Schlechten geworden.
Manès Sperber

Heute vor 55 Jahren am 12. August 1952 wurden 13 Mitglieder des Jüdischen Antifaschistischen Komitees der Sowjetunion liquidiert:

Es war eine Farce und kein Prozess, denn das Urteil stand bereits im Vorfeld fest: Nach einer dreimonatigen Gerichtsverhandlung wurden am 12. August 1952 im Moskauer Lubjanka-Gefängnis 13 Angeklagte jüdischen Glaubens hingerichtet. Der Prozess vor dem Militärkollegium des Obersten Gerichts der Sowjetunion unter Vorsitz des Generals der Justiz A. Tschepzow begann am 7. Mai 1952 ohne Vertreter der Anklage oder Verteidigung, aber mit 42 Bänden an Untersuchungsakten und endete am 18. Juli 1952. Stalin hatte die Todesurteile zu diesem Zeitpunkt bereits angeordnet. Wozu die ganze Maskerade mit Tausenden von Akten an erfolterten Geständnissen, die die Angeklagten in den letzten Gerichtssitzungen sowieso widerriefen? Im Prozess wurden oft jiddische Gedichte und Texte als Anklagepunkte zitiert. Eigentlich saß die jiddische Sprache und Kultur auf der Anklagebank, ein seltenes Ereignis in der Kultur- und Justizgeschichte

Das Urteil hatte eine lange Vorgeschichte. Am 24. August 1941, zwei Monate nach dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion, fand in Moskau eine Veranstaltung statt, die von der Presse als „Öffentliche Versammlung der Vertreter des jüdischen Volkes“ bezeichnet wurde. An ihr nahmen viele bedeutende Persönlichkeiten der Sowjetunion, wie Ilja Ehrenburg, Sergej Eisenstein und Piotr Kapiza teil.

Sergej Eisenstein

Einige von ihnen richteten einen leidenschaftlichen Appell an die Juden der Welt, der Sowjetunion in ihrem Kampf ums Überleben zu helfen. Der Direktor des Staatlichen Jüdischen Theaters in Moskau, Salomon Michoels, sagte: „Brider un schwester, jidn vun der ganzer welt. Uns trennen zwar mächtige Ozeane, aber wir sind vereinigt durch Ozeane von Blut unserer Mütter und Schwestern, unserer Söhne und Brüder, die durch die Faschisten vergossen wurden.“

Dem 1942 konstituierten Jüdischen Antifaschistischen Komitee der Sowjetunion (JAFK) mit dem Präsidenten Michoels an der Spitze gehörten fast hundert Persönlichkeiten aus der Literatur, Journalistik, Kunst, Theater, Film, Staatsbeamte sowie die Generäle und „Helden der Sowjetunion“ Buber, Milner, Kreiser und Admiral Trainin an. Mehr als eine halbe Million sowjetischer Juden kämpften als Soldaten oder Partisanen für den Sieg über Hitler-Deutschland. Sie erhielten mehr als 160.000 Auszeichnungen; 146 jüdische Soldaten wurden mit der höchsten Tapferkeitsauszeichnung „Held der Sowjetunion“ geehrt, darunter die Nachtbomber-Pilotin Paulina Gelman und der U-Boot-Kommandant Israel Fissanowitsch; beide waren JAFK-Mitglieder.

Das JAFK war nicht nur Zentrum der Kriegspropaganda, sondern auch der jiddischen Kultur und Literatur. Bereits im Juni 1942 wurde das Organ des JAFK, die jiddische Zeitung „Ejnikeit“ – Eintracht, gegründet. Die Presseagentur des Komitees ISPA versandte mehr als 23.000 Artikel, mehrere Buchmanuskripte und mehr als 3000 Fotos an die ausländische Presse, die in 264 Periodika in zwölf Ländern veröffentlicht wurden. Im Verlag des JAFK erschienen 65 Bücher, viele Essays, Dokumentationen und Broschüren.

Im Juli 1943 wurden Michoels und das Präsidiumsmitglied Izik Fefer von der Kriegspropaganda-Behörde zu einer siebenmonatigen Reise in die USA, Mexiko, Kanada und England entsandt. Eine halbe Million Menschen besuchte die Massenversammlungen in 46 Städten. 45 Millionen Dollar wurden im Westen für die Rote Armee gesammelt. In der Presse der besuchten Länder erschienen mehr als 700 Artikel. Als Folge der Reise wurden viele Hilfskomitees für die Sowjetunion gegründet, mit Albert Einstein an der Spitze.

Nach dem siegreichen Ende des Krieges begannen die „schwarzen Jahre“ des sowjetischen Judentums. Die während des Krieges willkommenen nationalen Tendenzen, die sowohl die Juden, als auch andere Nationalitäten zu größeren Leistungen für die Sowjetunion anspornen sollten, wurden auf einmal als chauvinistische Abweichung gebrandmarkt. Die Ermordung des JAFK-Präsidenten Michoels in Minsk am 12. Januar 1948 erfolgte auf persönlichen Befehl Stalins, sorgfältig eingefädelt und als Verkehrsunfall kaschiert. Für den Ermordeten wurde ein Staatsbegräbnis angeordnet. Im November 1948 liquidierte der sowjetische Staatssicherheitsdienst NKWD das gesamte Komitee und konfiszierte das umfangreiche Archiv des JAFK. Bis Ende Januar 1949 waren alle 15 Angeklagten des Prozesses von 1952 inhaftiert.

Die vom „Kongress für jüdische Kultur“ in New York zusammengestellte Liste der in dieser Zeit verschwundenen jüdischen Künstler und Intellektuellen enthält 450 Namen von Schriftstellern, Schauspielern, Musikern, Malern und Bildhauern. Außerdem wurden viele jüdische Partei- und Regierungs-Funktionäre, Wissenschaftler und Industrieangestellte verhaftet, wie auch die gesamte Führung des Jüdischen Autonomen Gebietes in Birobidschan.

Gleichzeitig schloss die Staatsmacht die meisten kulturellen Einrichtungen der Juden, wie Theater, Verlage, Zeitungen, Schulen, Die verhafteten Führer des JAFK wurden unzähligen Vernehmungen und Foltern durch 35 brutale Ermittler unterworfen; sie sollten absurde Verbrechen gestehen, denn die „Organe“ konnten keine dokumentarischen Beweise für die behauptete Spionage oder Verrat vorlegen. Die absurdeste Beschuldigung war, dass das JAFK auf der Krim eine jüdische Republik unter amerikanischem Protektorat gründen wollte.

(Aus: Wie Stalins Judenverfolgungen verheimlicht wurden.)

Die Exekution war die letzte Welle des Antisemitismus in der Sowjetunion unter Josef Stalin (nicht dass dieser nach seinem Tod verschwunden wäre). Begleitet wurde die Liquidierung des Jüdischen Antifaschistischen Komitees von der Kampagne gegen das Kosmopolitentum und dem Prozess gegen eine „jüdische Ärzteverschwörung“.

Doctor's Plot
Karikatur zur "Ärzteverschwörung" im sowjetischen Magazin
Krokodil von 1953

Auch die Veröffentlichung des Schwarzbuchs über die Vernichtung der sowjetischen Juden wurde von Stalin verhindert.

Über Jahrzehnte hinweg beschäftigte sich fast niemand mit der Geschichte des Jüdischen Antifaschistischen Komitees. Erst in den letzten Jahren erschien zwei Bücher, die sich eingehender mit seinem Schicksal auseinandersetzen:

* Stalin und die Juden von Arno Lustiger
* Stalin’s Secret Pogrom von Joshua Rubenstein

Adorno zur Logik des Antisemitismus

Ein besonders hintersinniges Argument ist: »Man darf ja gegen Juden heute nichts sagen.« Es wird sozusagen gerade aus dem öffentlichen Tabu über dem Antisemitismus ein Argument für den Antisemitismus gemacht: wenn man nichts gegen die Juden sagen darf, dann – so läuft die assoziative Logik weiter – sei an dem, was man gegen sie sagen könnte, auch schon etwas daran. Wirksam ist hier ein Projektionsmechanismus: daß die, welche die Verfolger waren und es potentiell heute noch sind, sich aufspielen, als wären sie die Verfolgten. Dem kann man nur dann begegnen, wenn man nicht etwa idealisiert, wenn man nicht etwa Lobreden auf große jüdische Männer hält oder hübsche Bilder von israelischen Bewässerungsanlagen oder Kibbuz-Kindern dort vorführt, sondern eben die jüdischen Züge, auf welche die Antisemiten deuten, erklärt, ihr Recht und ihren Wahrheitsgehalt darstellt. Überhaupt ist es viel besser, als die Juden zu verharmlosen und sie als eine Art von Lämmerchen oder Sonnenjünglingen vor Augen zu stellen, zu sagen, daß sie eine große, stürmische und wilde Geschichte hatten, in der es genausoviel Furchtbares gibt wie in der Geschichte anderer Völker auch. Abstoßend wäre ein sentimentales Reklamebild.

[Band 20: Vermischte Schriften I/II: Zur Bekämpfung des Antisemitismus heute. Theoder W. Adorno: Gesammelte Schriften, S. 17630
(vgl. GS 20.1, S. 368-369)]

Israelische Superhelden

The Golem and Lilith [Videoclip (Untertitel aktivieren)] ist ein neuer israelischer Comic, der sehr ironisch den Nahostkonflikt behandelt. Sowohl Lilith, die als erste Frau Adams gilt, als auch der Golem sind Figuren aus der jüdischen Mythologie. Eine alte Legende besagt, dass Rabbi Löw in Prag den Golem aus Lehm formte (sowie Gott Adam aus Lehm erschuf) und ihn da dadurch erweckte, indem er ihm ein Stück Papier mit dem geheimen Namen Gottes unter die Zunge legte (oder um die Stirn band). Nach der Legende geriet der Golem ausser Kontrolle und wandte sich gegen seinen Meister. Als der Rabbi schliesslich das Stück Papier entfernte, zerfiel der Golem zu einem Haufen Ton.
Die Sage des Golem wurde in zahlreichen Bereichen der Populärkultur aufgegriffen. Man denke nur an den Stummfilm Der Golem, wie er in die Welt kam von 1920. Nicht zuletzt hat die Legende vom Golem den Roman Frankenstein, sowie zahlreiche Sciencefiction-Erzählungen geprägt.
The Golem ist allerdings nicht der erste israelische Superheld. Der Superheld der letzten Generation hiess Sabraman.

Yigal Amir Fanclub

Postantideutsche beanspruchen für sich selbst gerne bedingungslos mit Israel solidarisch zu sein und vertreten die Meinung „Jede Kritik am Staat Israel ist antisemitisch“ (Joachim Bruhn) . Hier fragt sich, wer Israel eigentlich repräsentiert. Ist es nur der Staat, die Regierung und das Militär? Was ist mit den zahlreichen politischen Fraktionen in Israel? Etwas widersprüchlich zum Lob des Pluralismus und der Heterogenität der israelischen Gesellschaft, was sie von den arabischen Staaten unterscheiden soll, werden israelische Linke kollektiv als Spinner diffamiert, gilt Moshe Zuckermann bei vielen Postantideutschen als Antisemit, und obendrein wird dem Zentralrat der Juden in Deutschland vorgeworfen, er wäre nicht israelsolidarisch und würde den Islam verteidigen.
Etwas seltsam ist es da, dass der Postantideutsche Johnny Mutante in schiere Begeisterung über seine Kommunikation mit dem Kachpolitiker David Ha‘ivri ausbricht. Dessen Frau trägt übrigens ein Kopftuch, ein Kleidungsstück, das von Postantideutschen üblicherweise die Zugehörigkeit zu einer „besonders barbarischen Religion“ anzeigt.

Während die israelische Linke angeblich mit der Antisemitischen Internationale im Bunde steht, scheint man kein Problem zu haben, sich mit der Kachpartei zu verbrüdern, einer (in Israel illegalen) Organisation, welche den israelischen AraberInnen die Staatsbügerrechte entziehen möchte, die Vertreibung aller PalästinenserInnen plant und zudem noch verantwortlich für das Hebron-Massaker 1994, die Ermordung von Yitzhak Rabin sowie dutzende Anschläge ist.
Da verwundert es auch nicht, dass diese Sympathie auf Gegenseitigkeit beruht und die Neue Kach Bewegung einen Link auf die Website ihrer Gesinngungsgenossen von der Bahamas gesetzt hat.