Archiv der Kategorie 'Israel'

„…über Agenten und Zionisten“

Terminal 119 und Café Morgenland mit einem neuen Text über Antisemitismus und Rassismus in Griechenland, vor allem am Fall von Konstantinos Plevris.

Adorno zur Logik des Antisemitismus

Ein besonders hintersinniges Argument ist: »Man darf ja gegen Juden heute nichts sagen.« Es wird sozusagen gerade aus dem öffentlichen Tabu über dem Antisemitismus ein Argument für den Antisemitismus gemacht: wenn man nichts gegen die Juden sagen darf, dann – so läuft die assoziative Logik weiter – sei an dem, was man gegen sie sagen könnte, auch schon etwas daran. Wirksam ist hier ein Projektionsmechanismus: daß die, welche die Verfolger waren und es potentiell heute noch sind, sich aufspielen, als wären sie die Verfolgten. Dem kann man nur dann begegnen, wenn man nicht etwa idealisiert, wenn man nicht etwa Lobreden auf große jüdische Männer hält oder hübsche Bilder von israelischen Bewässerungsanlagen oder Kibbuz-Kindern dort vorführt, sondern eben die jüdischen Züge, auf welche die Antisemiten deuten, erklärt, ihr Recht und ihren Wahrheitsgehalt darstellt. Überhaupt ist es viel besser, als die Juden zu verharmlosen und sie als eine Art von Lämmerchen oder Sonnenjünglingen vor Augen zu stellen, zu sagen, daß sie eine große, stürmische und wilde Geschichte hatten, in der es genausoviel Furchtbares gibt wie in der Geschichte anderer Völker auch. Abstoßend wäre ein sentimentales Reklamebild.

[Band 20: Vermischte Schriften I/II: Zur Bekämpfung des Antisemitismus heute. Theoder W. Adorno: Gesammelte Schriften, S. 17630
(vgl. GS 20.1, S. 368-369)]

Israelische Superhelden

The Golem and Lilith [Videoclip (Untertitel aktivieren)] ist ein neuer israelischer Comic, der sehr ironisch den Nahostkonflikt behandelt. Sowohl Lilith, die als erste Frau Adams gilt, als auch der Golem sind Figuren aus der jüdischen Mythologie. Eine alte Legende besagt, dass Rabbi Löw in Prag den Golem aus Lehm formte (sowie Gott Adam aus Lehm erschuf) und ihn da dadurch erweckte, indem er ihm ein Stück Papier mit dem geheimen Namen Gottes unter die Zunge legte (oder um die Stirn band). Nach der Legende geriet der Golem ausser Kontrolle und wandte sich gegen seinen Meister. Als der Rabbi schliesslich das Stück Papier entfernte, zerfiel der Golem zu einem Haufen Ton.
Die Sage des Golem wurde in zahlreichen Bereichen der Populärkultur aufgegriffen. Man denke nur an den Stummfilm Der Golem, wie er in die Welt kam von 1920. Nicht zuletzt hat die Legende vom Golem den Roman Frankenstein, sowie zahlreiche Sciencefiction-Erzählungen geprägt.
The Golem ist allerdings nicht der erste israelische Superheld. Der Superheld der letzten Generation hiess Sabraman.

Yigal Amir Fanclub

Postantideutsche beanspruchen für sich selbst gerne bedingungslos mit Israel solidarisch zu sein und vertreten die Meinung „Jede Kritik am Staat Israel ist antisemitisch“ (Joachim Bruhn) . Hier fragt sich, wer Israel eigentlich repräsentiert. Ist es nur der Staat, die Regierung und das Militär? Was ist mit den zahlreichen politischen Fraktionen in Israel? Etwas widersprüchlich zum Lob des Pluralismus und der Heterogenität der israelischen Gesellschaft, was sie von den arabischen Staaten unterscheiden soll, werden israelische Linke kollektiv als Spinner diffamiert, gilt Moshe Zuckermann bei vielen Postantideutschen als Antisemit, und obendrein wird dem Zentralrat der Juden in Deutschland vorgeworfen, er wäre nicht israelsolidarisch und würde den Islam verteidigen.
Etwas seltsam ist es da, dass der Postantideutsche Johnny Mutante in schiere Begeisterung über seine Kommunikation mit dem Kachpolitiker David Ha‘ivri ausbricht. Dessen Frau trägt übrigens ein Kopftuch, ein Kleidungsstück, das von Postantideutschen üblicherweise die Zugehörigkeit zu einer „besonders barbarischen Religion“ anzeigt.

Während die israelische Linke angeblich mit der Antisemitischen Internationale im Bunde steht, scheint man kein Problem zu haben, sich mit der Kachpartei zu verbrüdern, einer (in Israel illegalen) Organisation, welche den israelischen AraberInnen die Staatsbügerrechte entziehen möchte, die Vertreibung aller PalästinenserInnen plant und zudem noch verantwortlich für das Hebron-Massaker 1994, die Ermordung von Yitzhak Rabin sowie dutzende Anschläge ist.
Da verwundert es auch nicht, dass diese Sympathie auf Gegenseitigkeit beruht und die Neue Kach Bewegung einen Link auf die Website ihrer Gesinngungsgenossen von der Bahamas gesetzt hat.