Archiv der Kategorie 'Kritik der Islamkritik'

Die Verdraengung Natascha Wiltings durch Matthias Kuentzel

Da Matthias Küntzel in seinem 2002 erschienen Buch Djihad und Judenhass in seinen Ausführungen über die ägyptischen Muslimbrüder keine einzige Primärquelle zitiert,1 muss er eben auf die seriösen Informationen von Natascha Wilting zurückgreifen:

Auch wenn es an dieser Stelle nicht möglich ist zu erhellen, wie „Lust an der Unlust“ entsteht und sich „Libido ausgerechnet an ihre Unterdrückung heften kann“,2 ist doch zumindest zu konstatieren, daß die Muslimbrüder ihre eigenen libidinösen Wünsche und Träume auf die Welt der Ungläubigen projizierten. Projektion ist eine Abwehr, in der das Subjekt dem anderen Gefühle und Wünsche, die es ablehnt oder in sich verleugnet, unterstellt.3

Eine Seite weiter zieht er noch einmal Wiltings Artikel heran, ohne diesen als Quelle zu nennen, man erkennt dies aber an den nahezu identischen Koranzitaten4:

Während die Befreiung der Frau vom islamischen Inferioritätspostulat allmählich ihren Anfang nahm, formierte sich die Bewegung der Muslimbrüder als Sammelbewegung zur Wiederherstellung der patriarchalen Dominaz: Stand nicht im Koran geschrieben, daß „Männer die Herrschenden sind über die Frauen“ (Sure 4, Vers 35) und „eine Stufe über den Frauen stehen“ (Sure 2, Vers 229)?

Der Koran, zitiert aus Bahamas 38: diese Veröffentlichung hat die Goldmedaille des “Independent Publisher Book Award” als bestes Buch im Bereich Religion wahrlich verdient. Die Preis ging an die englischsprachige Übersetzung namens Jihad and Jew-hatred: Islamism, Nazism and the roots of 9/11. Erschienen beim Hausverlag der Neuen Rechten in den USA, Telos Press, der neben Küntzel auch so illustre Autoren wie Ernst Jünger, Carl Schmitt und Alain de Benoist verlegt.5

In der englischen Übersetzung finden sich genau die oben zitierten Stellen mit einem Unterschied. Die Fußnote mit dem Verweis auf Wilting fehlt, ebenso die Fußnote zum „Vokabular der Psychoanalyse“. Als Quellenangabe war die Bahamas anscheindend sogar für die amerikanische Nouvelle Droite zu unseriös. Der fehlende Hinweis auf diesen rassistischen Hetzartikel ist das beste am ganzen Buch…

  1. Dazu: Confronting fascism in Egypt: dictatorship versus democracy in the 1930s (Jankowski/Gershoni) [zurück]
  2. Hier findet sich eine Fußnote zu Wiltings „Psychopathologie des Islam“ aus Bahamas [zurück]
  3. Es folgt eine Fußnote zum „Vokabular der Psychoanalyse“ (Laplanche/Pontalis) [zurück]
  4. Dass in einer der Hauptquellen von Wilting etwas ganz anderes zum Frauenbild des Koran steht, erläutere ich in einem zukünftigen Blogeintrag. [zurück]
  5. Dazu: A short history of Telos: the drift from left to right. Aus: Where have all the fascists gone? (Bar-On) [zurück]

Natascha Wiltings Kreuzzug gegen den islamischen Muessiggang

In ihrem Artikel „Zur Psychopathologie des Islam“ (neuer Titel „Die Lust an der Unlust“), über den hier schon mehrmals berichtet wurde, stellt Natascha Wilting den „moslemischen Mann“ nicht nur als sexgeilen Wahnsinnigen, sondern auch als von seinem Wesen her faul dar. So schreibt sie, dass:

„(…) ihm körperliche Arbeit, schließlich jede Entäußerung seiner selbst, ansonsten als Zumutung (…) gilt (…) und die mühsame Feldarbeit traditionell Beschäftigung der Frau war. Der moslemische Mann gefiel sich seit jeher und mit Grund besser in der Rolle des Kleinhändlers und des großen Caféhausphilosophen und -politikers.1

Ja, ihr habt richtig gelesen. Das steht dort tatsächlich. Natürlich muss das Ganze mit der üblichen „Ich bin ja kein Rassist, aber…“-Argumentation relativiert werden, was in einer Fußnote erfolgt:

„Um einem Mißverständnis vorzubeugen: Nicht dem Ideal der produktiven Arbeit hängt die Autorin an, und auch nicht zur Arbeit unfähig betrachtet sie den islamischen Mann. Anliegen ist es ihr nur, zu erklären, daß ihm psychisch jegliche Affinität zur Arbeit und Fortschritt abgeht, da beide eine Veräußerung seiner selbst zur Folge hätten.“

Der Araber an sich
Haben die nichts zu arbeiten?

Ähnliche Aussagen, wie die oben getätigte, kennt man ja auch von Thilo Sarrazin:

„Eine große Zahl an Arabern und Türken in dieser Stadt hat keine produktive Funktion außer für den Obst- und Gemüsehandel.“

Bei Wilting spielt das Bild vom angeblich faulen Moslem jedoch eine bedeutendere Rolle. In einer Wiederkehr des Kolonialrassismus ist ihr die Arbeitsscheu des „moslemischen Mannes“ ein umfassendes Erklärungsmodell für die von ihr ausgemachten Missstände in der islamischen Welt. Warum sind die Menschen in den arabischen Ländern arm? Weil sie so faul sind, ist Wiltings Antwort. Sie spricht von:

„Ländern etwa der Arabischen Liga, deren gesamtes Bruttosozialprodukt unter dem von Spanien liegt, in denen, wer überhaupt Arbeit hat und nicht von Wohlfahrtszahlungen abhängig ist, zumeist im unproduktiven und mittels Ölrente aufgeblähten staatlichen Sektor tätig ist.“

Woher sie diese Information hat, verrät sie nicht. Abgesehen von der Frage, inwieweit man solche Zahlen überhaupt sinnvoll vergleichen kann und was daraus folgt, schneiden einige islamische Länder in der Rangordnung des Bruttoinlandsprodukts pro Kopf ganz schön gut ab.

Sogar die politischen Konflikte in der Region führt sie auf den Unwillen zur Arbeit zurück, da „islamische Männer“ anscheinend lieber auf dem Schlachtfeld verrecken, als auf dem Acker2 zu arbeiten:

„Kriege wie der zwischen dem Iran und dem Irak, oder auch der Überfall des baathistischen Iraks auf Kuwait können wohl als die letzten verzweifelten Versuche angesehen werden, durch Beutezüge den eigenen Herrschaftsbereich zu erweitern, sich die Welt einzuverleiben, und so zu Ehre und Reichtum zu gelangen, ohne sich produktiv verausgaben zu müssen. Statt nun aber danach zu streben, den Wert der eigenen Arbeitskraft mittels eifrigen Studiums zu erhöhen und sich so für den Markt attraktiv zu machen, verharrt der Mann zumeist in infantiler Pose.“

So fragt man sich, was ist moralisch verwerflich am Kaffeehausbesuch, am Beruf des Händlers und des Philosophen? Gehörte es nicht mal zu den „antideutschen Basisbanalitäten“ Verherrlichung der Arbeit und der Produktionssphäre als Ausdruck von Antisemitismus zu interpretieren? Wieso ist der Ölsektor unproduktiv und sollte die Autorin (zusammen mit Sarrazin) nicht mal bei Karl Marx nachschlagen, was dieser unter produktivem Kapital verstand?

  1. Auch die Georg-Weerth-Gesellschaft weiß Ähnliches zu berichten: „Zudem sind Moscheen anders als Kirchen gar keine sakralen Gebäude, sondern Orte, in denen neben dem Gebet auch Geschäfte und kulturelle wie politische Zusammenkünfte stattfinden.“ [zurück]
  2. Fabriken scheint es dort laut Wilting nicht zu geben. [zurück]

Wird der „islamische Junge“ 8 Jahre gestillt?

In einer Zeit, in der rassistische Mythen und Legenden Hochkonjunktur haben, sei es als anti-muslimisches Passagenwerk oder völkerspsychologische Studie, verfasse ich abermals einen kleinen Beitrag zu den Ausführungen Natascha Wiltings über das Stillen des „islamischen Jungen“. Wie hier schon einmal erwähnt, wurde Wiltings Artikel „Psychopathologie des Islam“ in erweiterter Form in einem Sammelband veröffentlicht. Man beachte das Cover, welches beispielhaft für den ça-iranischen Phallozentrismus ist.

Identisch mit dem Bahamasartikel wird geschrieben:

„Im Gegensatz zum islamischen Mädchen, welches den Anspruch auf eigene Befriedigung früh aufzugeben lernt, kennt der Junge nichts anderes: Gestillt wird er bis zu seinem – da unterscheiden sich die einzelnen Sekten des Islam – dritten bis achten Lebensjahr“

Neu im Buchbeitrag ist, dass für diese Aussage auch eine Quelle angegeben wird:

(Heller/Moshabi 1993:83)

Gemeint ist damit „Hinter den Schleiern des Islam. Erotik und Sexualität in der arabischen Kultur“ von Erdmute Heller und Hassouna Mosbahi (dessen Name im Buchbeitrag durchgängig falsch geschrieben wird). Schlägt man nun dieses Buch auf Seite 83 auf, so findet man dort nirgends etwas über „islamische Sekten“. Ohnehin würde man sich fragen, welche Sekten das denn sein sollen und worin der Unterschied in ihrer Behandlung des „islamischen Jungen“ sein soll. Vor allem steht auf der gesamten Seite 83 überhaupt nichts über das Thema Stillen, bis auf die Erwähnung von Halima, der Amme und Pflegemutter Mohammeds. Jedoch steht auch hier nichts darüber, wie lange sie ihn gestillt hat. Schon gar nicht finden sich dort irgendwelche Ausführungen über religiöse Vorschriften, die das Stillen von Mädchen und Jungen betreffen. Entweder hat Natascha Wilting das Buch unter dem Einfluss von Halluzinogenen gelesen oder sie hat bewusst versucht, ihre rassistischen Phantasien – die schon bei der Erstveröffentlichung kritisiert worden waren – mit einer Quelle abzusichern, wobei sie davon ausging, dass niemand diese nachprüfen würde. So kann Wilting schreiben, dass das „moslemische Mädchen“ (nicht zu verwechseln mit dem „kleine[n] Mädchen westlicher Herkunft“) zu kurz gestillt werden würde:

„Das kleine Mädchen wird in islamischen Familien nur so lange von seiner Mutter gestillt wie es keinen kleinen Bruder hat, dem es das Privileg der Mutterbrust vorrangig zu überlassen hat. In jedem Falle wird nur solange gestillt wie es das bloße Überleben des weiblichen Säuglings verlangt.“

Durch ihr „Triebschicksal“, so Wilting, wird sie später zu einer frigiden Lustfeindin, die überhaupt keinen Willen zur Erkämpfung von Frauenrechten hat.
Auch dass der „islamische Junge“ acht Jahre lang gestillt wird, bleibt nicht ohne Auswirkungen:

Da er so erst sehr spät durch die Entwöhnung von der Mutterbrust lernt, das Objekt seiner Lust herzugeben, erlebt er die Welt als eine, die bloß der Befriedigung seiner Triebe zu dienen scheint. Seine infantile Phantasie, daß die Welt eins mit ihm, er also die Welt sei, wird nicht gebrochen, sein infantiler Anspruch auf Allmacht bleibt ungebrochen erhalten.“

Im Erwachsenenalter verwandeln sich dann Mädchen und Jungen in Wahnsinnige und „anal-sadistische Charaktere“, um dann „das größte psychopathologische Kollektiv zu formen, das die Welt bis jetzt gesehen hat.“

Derartige rassistische Hirngespinste lassen sich leicht entkräften. Wenn „der Moslem“ in der Wahrnehmung Wiltings nur ein Anhängsel seiner Religion ist, dann würde es sich bestimmt lohnen, einen Blick darauf zu werfen, was der Koran zum Thema Stillen sagt:

„Und die Mütter (…) sollen ihre Kinder zwei volle Jahre stillen. (Das gilt) für die, die das Stillen ganz zu Ende führen wollen. (…) Und wenn die beiden (d.h. Vater und Mutter) nach gegenseitiger Übereinkunft und Beratung (das Kind vor der angegebenen Zeit) entwöhnen wollen, ist es keine Sünde für sie (dies zu tun). Und wenn ihr eure Kinder (einer Amme) zum Stillen geben wollt, ist es keine Sünde für euch (…)“ [Auszüge aus Sure 2, Vers 233].

Zwischen Jungen und Mädchen wird kein Unterschied gemacht, nirgends die Rede von acht Jahren. Allein diese Stelle widerlegt alles, was in Wiltings Artikel behauptet wird.

‚Pomoz Bog‘ sagt Strache

Hieß es 1914 noch „Serbien muss sterbien“, so versuchte die FPÖ in den jüngsten Wahlen explizit serbische Stimmen für sich zu gewinnen:

Die Serben sind die größte Gruppe unter den Migranten in Österreich. Die FPÖ versucht seit längerem, dort Sympathisanten anzuwerben. Denn, so der blaue Lockruf: Es gehe darum, gemeinsam das christliche Abendland gegen die moslemische Bedrohung zu verteidigen.
„Outlaws“ unter sich: Der serbophile HC Strache

So ließ sich Strache auf Wahlplakaten mit dem serbischen Gebetsband Brojanica ablichten:
straCHE

Die Anbiederung läuft vor allem über die“Kosovofrage“:

Als heimatbewusstem Österreicher ist es mir ein besonderes Anliegen, für das Recht anderer Völker einzutreten“, begann Strache seine Rede, die oft von frenetischem Applaus unterbrochen wurde. Die Unabhängigkeit des Kosovo sei ein Völkerrechtsbruch. Die EU habe dabei als „eine Marionette der USA mitgemacht“.

Strache verglich den Kosovo mit Südtirol, die Italiener mit den Albanern. Nur der Freiheitskampf der Südtiroler habe verhindert, dass Italien Südtirol endgültig an sich gerissen habe. Den Kosovo-Serben habe man letztlich ihre Heimat entrissen. Man wolle den Stolz eines Volkes brechen, sagte Strache, und rief die Patrioten aller europäischen Völker auf, sich zu vereinigen.
Strache traf in Belgrad mit dem national-konservativen Minister für Infrastruktur, Velimir Ilic, und dem Chef der ultranationalistischen Serbischen Radikalen Partei (SRS), Tomislav Nikolic zusammen. „Serbien verdient unsere Solidarität“, sagte Strache zum Standard. Er sei überzeugt, dass die neuen Freundschaftsverhältnisse mit diesen Parteien weiter ausgebaut würden.
Quelle: Balkanforum

strache2

Der Sodomievorwurf oder Abspaltung und Projektion

Der Obmann des steirischen Rings Freiheitlicher Jugendlicher (RFJ), Michael Winter (20), ist am Montag wegen Verhetzung verurteilt worden. Winter hatte in der RFJ-Zeitschrift „Tangente“ (Nr. 1/2007) Muslimen eine Tendenz zur Sodomie unterstellt und als „Sofortmaßnahme“ gegen Vergewaltigungen in Graz gefordert, „eine Schafherde im Stadtpark grasen“ zu lassen. Von Richter Georg Allmayer setzte es dafür nach knapp 20 Minuten Verhandlung drei Monate bedingt. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Winter erbat Bedenkzeit.

Winter ist Sohn der steirischen FP-Politikerin Susanne Winter, der wegen ähnlicher Äußerungen ebenfalls ein Prozess droht.
Quelle: Wiener Zeitung

Auch der Mutter des Angeklagten, der Grazer FPÖ-Kommunalpolitikerin Susanne Winter, droht ein Prozess wegen Verhetzung. Sie hatte vor Monaten europaweit für Aufsehen gesorgt, als sie den Propheten Mohammed in einer Wahlkampfrede als „Kinderschänder“ verunglimpfte.

Außerdem soll sie in einer Wahldebatte die Einrichtung eines „Tierbordells“ in Graz gefordert haben, damit sich muslimische Männer nicht an Mädchen im Stadtpark vergreifen.
Quelle: Süddeutsche

Ähnliche Aussagen sind ja auch von einem Österreicher ungefähr desselben Alters bekannt und für die Hedonistische Mitte ist die Bezeichnung „Ziegenficker“

„weniger eine „Beleidigung aller Muslime“, als vielmehr eine Verharmlosung dieser Zustände“

(hxxp://www.redaktion-bahamas.org/aktuell/Islam_is_lame.htm)

Zur Psychopathologie der Natascha Wilting

Im von Ljiljana Radonic und Renate Göllner herausgegebenen Sammelband „Mit Freud. Gesellschaftskritik und Psychoanalyse“ wurde auch der Artikel „Zur Psychopathologie des Islam“ von Natascha Wilting in abgeänderter Form und unter dem neuen Titel „Die Lust an der Unlust oder warum der Islam so attraktiv ist“ veröffentlicht.

Mit Freud
Was würde Freud über die Person, die dieses Bild auswählte sagen?

AutorInnen und Herausgeberinnen sehen sich –wohl aufgrund des Inhalts- sehr bemüht sich von der Völkerspsychologie des 19. und frühen 20. Jahrhunderts abzugrenzen. So schreibt Alex Gruber im Sammelband:

„Die Psychoanalyse ist aber keine Völkerspsychologie: Sie beschäftigt sich vielmehr mit der Konstitution des Individuums; ihr Untersuchungsgegenstand sind der Einzelne und seine psychischen Instanzen in Familie und Gesellschaft.“ (S. 19)

Ganz ähnlich referiert ein Blogger eine Veranstaltung mit Ljiljana Radonic:

„Die Psychoanalyse verkommt zur Völkerpsychologie, die von Kulturen, Völkern oder anderen Kollektiven ausgeht und deren „Miteinander“ verstehen, regeln usw. soll; sie erstarrt im psychoanalytischen Jargon.“

Doch genau dies geschieht im Artikel von Natascha Wilting. Eigentlich sind ihre Behauptungen sogar noch absurder als Nationalcharaktertheorien, die denken, dass sich ein „Volk“ durch eine gemeinsame „psychische Wesensart“ (Josef Stalin) auszeichne. Wiltings Aussagen scheren nämlich nicht nur die paar Millionen Menschen, die angeblich zu einem „Volk“ oder einer Nation gehören, über einen Kamm, sondern gleich mehr als eine Milliarde Menschen, nämlich alle Muslime ohne Unterschied. So spricht sie generalisierend von „dem islamischen Mädchen“ und „dem islamischen Jungen“ und tut dabei so als ob alle Muslime exakt die gleiche Sozialisation durchlaufen würden, egal ob sie als Tochter eines Ziegenhirten in Marokko oder als Sohn eines Anwalts in den USA geboren wurden.

Diese Kollektivpsychologie wurde auch von anderen Koryphäen der (post-)antideutschen Szene übernommen. Im von Thomas von der Osten-Sacken und Christian Knoop verfassten Artikel Zur Psychopathologie des Islamisten wird nicht nur generalisierend vom „islamischen Mann“ geschrieben, sondern auch abwechselnd mit „islamistischer Mann“ und „arabischer Mann“ verwendet, so als ob das alles dasselbe wäre.

Wie wenig Natascha Wilting über „den Islam“ weiß, belegt folgendes Zitat:

„Die Pflichten der Frauen beruhen- wie im übrigen sämtliche Normen und Gesetze, die das Leben der islamischen Gemeinschaft regeln- auf den Suren des Korans, den Aussprüchen des Propheten, den Hadiths und den Gesetzestexten der Scharia.“

Es gibt aber keine vier religiösen Gesetzesquellen, sondern nur die Scharia, die kein eigener Text ist, so wie Wilting sich das vorstellt, sondern sich aus den Hadiths (was eben die überlieferten Aussprüche und Taten des Propheten sind1) und dem Koran speist.
Apropos Koran: die Ausgabe auf die sich Wilting stützt und für ihr als Beleg angeführt wird, wie „die Muslime“ denken, stammt von der Ahmadiyya-Gemeinde2 und hat eine andere Verszählung als die Koranversion, die im sunnitischen Islam der Standard ist. Deshalb sollte man sie eigentlich nicht zitieren, wie man dem Studienleitenfaden für Erstsemester des Instituts für Islamwissenschaft in Berlin entnehmen kann.
Dort erfährt man auch, wo Gerhard Scheit seine Koranausgabe gekauft hat:

Eine vor allem im Billigsegment (Buchclubs u.ä.) immer wieder aufgelegte Übersetzung von 1916, die miserabel ist und keinesfalls verwendet werden sollte.

„Die Lust and der Unlust“ strotzt nur so von abstrusen Behauptungen. Die Körperrasur von muslimischen Frauen ist ihr ein Beleg dafür, dass „der islamische Mann“ per se ein verkappter Kinderschänder ist:

„Daß die Frau oftmals weitaus jünger ist als der Mann und, bis auf das Haupthaar, gänzlich ohne Haare zu sein hat, zeigt nur einmal mehr, daß es nicht Ziel des moslemischen Gatten ist, mit einer ihm ebenbürtigen Partnerin sich ekstatisch im Spiel der Lust zu verlieren, sondern dass ihm bloß danach gelüstet, etwas, was so kindlich erscheint, wie er ist, sich einzuverleiben.“

Auch wenn es in der „westlichen Zivilisation“ (Wilting) ein Trend ist, sich die Körperhaare abzurasieren und die Frau dort häufig jünger als der Mann ist, scheint es sich dabei nicht um eine Pathologie zu handeln.

Aus folgendem Zitatvergleich leitet sie die Identität zwischen Nationalsozialismus und Islam her:

Ähnlich wie man sich hierzulande ehemals mittels einem zackig vorgetragenem: „Unsere Ehre heißt Treue!“, dem deutschen Staat andiente und sich von diesem erhoffte, daß er als Garant der eigenen Ehre auftrete, unterwerfen sich die gläubigen Moslems ganz der Willkür ihres Gottes, denn: „Wer Allah ehrt, dem wird Ehre zuteil werden.“

Es kommt doch tatsächlich in beiden Sätzen das Wort „Ehre“ vor!

Über Natascha Wiltings Hirngespinste wird hier noch mehrmals berichtet werden. In unbestimmter Zeit wird noch erscheinen:

Märchentante Natascha Wilting über das Stillen des „islamischen Jungen“ bis zum achten Lebensjahr

Völkerspsychologin Natascha Wilting über den „faulen Moslem“, der nicht arbeiten will und deshalb lieber Händler wird

Was in Wiltings Quellen wirklich steht

  1. Im schiitischen Islam auch die der Imame und von Fatima. [zurück]
  2. Dieser zahlenmäßig relativ kleinen Gruppe wurde in Pakistan der Status als Muslime abgesprochen. Dort sind ihre Anhänger auch manchmal Angriffen durch Islamisten ausgesetzt. [zurück]

Ethnisierung des Sexismus

Als Ergänzung zu Schattenkontrastierens Bericht über den Anti-muslimischen Geschlechterdiskurs poste ich einige Auszüge aus einem Aufsatz von Margarete Jäger namens Ethnisierung von Sexismus im Einwanderungsdiskurs. Der Artikel wurde schon 1996 unter dem Titel „irgendwie steckt das doch in ihm, daß er… anders ist wie en deutscher Mann“ veröffentlicht und ist wohl heute weitaus aktueller als damals:

Untersuchungen zum Einwanderungsdiskurs in Deutschland haben sich immer wieder mit einer Argumentationsfigur auseinanderzusetzen, die ich im folgenden als Ethnisierung von Sexismus bezeichne. Sie zeigt eine Diskursverschränkung an, die ganz besondere Wirkungen entfaltet. Kaum jemanden ist wohl die Auffassung noch nicht begegnet, daß türkische oder moslemische Männer besonders sexistisch seien, daß sie Frauen in besonderer Weise unterdrückten. Dieses Argument dient dann häufig als Begründung dafür, daß ein Zusammenleben mit Türken oder Moslems für ‚uns’ nur schwer oder gar nicht möglich ist. Sehr häufig wird dieser ethnisierte Sexismus auch mit dem Islam in Verbindung gebracht, wenn etwa angenommen wird, der Koran schreibe Männern die Herrschaft über Frauen geradezu vor.
(…)

Bei einer ‚statischen’ Ethnisierung von Sexismus wird das Geschlechterverhältnis zu einem Merkmal von Rassenkonstruktion. Sexismus wird z.B. als eine natürliche Eigenschaft von Moslems definiert. Diese Form von Ethnisierung von Sexismus verweist auf einen ihr zugrundeliegenden Rassismus, und sie muß als eine Ausdrucksform von Rassismus begriffen werden.
(…)

Dies wird in einem zugrunde liegenden Interview mit „Florian“ deutlich:

Florian nimmt hier zwar keine biologische Naturalisierung in dem Sinne vor, daß er unterstellt, moslemische Männer seien von Natur aus dominant. Vielmehr betrachtet er die moslemische Erziehung als so prägend, daß eine Veränderung des Einzelnen ihm danach nicht mehr möglich erscheint. Auf diese Weise konstruiert er Sexismus zu einem Charakteristikum des moslemischen Mannes. Die Erziehung kann in diesem Sinne als eine zweite Natur angesehen werden. Entscheidend ist dabei, daß die Vorherrschaft des Mannes als ein Bestandteil islamischer Religion unterstellt wird. Florian argumentiert hier also kulturrassistisch.

Ehrenmorde und Scharia?

Im vergangenen Jahr erschien im Conne Island Newsflyer der Text Frauen und die Scharia im Islam. Von den ganzen Falschbehauptungen über den Islam möchte ich einmal absehen und mich stattdessen auf das Schreckgespinst der „Parallelgesellschaften“ konzentrieren.

In Parallelgesellschaften leben Menschen in Gemeinschaften abgekoppelt von ihrer Umgebung und natürlich ohne Bezug zum Rechtssystem des jeweiligen Staates, in dem sie sich befinden. Ob die Menschen in diesen Parallelgesellschaften jenes Rechtssystems ablehnen oder, wie es bei Frauen oft der Fall ist, auf Grund von nicht vorhandenen Sprachkenntnissen oder Angst vor dem Fremden bzw. dem Alleine sein, keinen Zugang zu diesem haben, ist nicht wesentlich. Im Grunde brauchen sie das Rechtssystem nicht. Der Islam hat ein eigenes Gesetz, ja ein Rechtssystem über Staatsgrenzen hinaus.

So die Definition der CEE IEH-AutorInnen. „Parallelgesellschaften“ in Deutschland zeichnen sich angeblich dadurch aus, dass hier nicht die Freiheitlich-Demokratische-Grundordnung gelten würde, sondern die Scharia. Demzufolge müsste die Mehrheit der muslimischen MigrantInnen, oder zu mindest ein bedeutender Anteil, unter dem religiösen Gesetz des Islam leben. Das sieht man zum Beispiel an Stadtvierteln mit einem hohen Bevölkerungsanteil von Muslimen wie Kreuzberg oder Neukölln. Hier gilt das staatliche Gewaltmonopol nicht, nur mit Vollbart kann man sich überhaupt auf die Strasse trauen, ständig wird Dieben die Hand abgehackt und die ganzen Hartz-4-EmpfängerInnen können ihr Dosenbier nur versteckt konsumieren, da sie ansonsten Gefahr laufen, öffentlich ausgepeitscht zu werden…

Wenn Parallelgesellschaften über die Nichteinhaltung des Deutschen Rechts definiert werden, heißt es dann auch, dass DrogendealerInnen Parallelgesellschaften bilden, da sie sich ständig über das deutsche Recht hinwegsetzen und nach ihren eigenen Regeln leben?

Von den Autoren wird nun auch behauptet, dass „Ehremorde“ Konsequenz dieser Parallelgesellschaften seien, da dort ja die Scharia gelte.

Was haben Ehrenmorde mit der Scharia zu tun?

Die Antwort mag erstaunen, aber sie lautet: Nichts.
Es gibt nämlich keine (mir bekannte) islamische Autorität, die „Ehrenmorde“ legitimieren würde. Im Gegenteil: es gibt etliche Fatwas, die „Ehrenmorde“ -die im Französischen crimes d‘honneur (Verbrechen der Ehre) genannt werden- explizit verbieten. Diese Fatwas wurden gerade auch von islamistischen Autoritäten ausgesprochen. Mit der reaktionären Ideologie des Islamismus stehen „Ehrenmorde“ also nicht im Zusammenhang, auch wenn viele Leute sich das vielleicht so vorstellen mögen.
Morde im Namen der Ehre sind ein Widerspruch zum islamischen Rechtssystem. Die Scharia behandelt sie ganz ähnlich wie Selbstjustiz vom bürgerlichen Staat gehandhabt wird. Es ist also völlig falsch Ehrenmorde darauf zurückzuführen, dass die in Deutschland lebenden Muslime sich nicht an der FDGO, sondern an der Scharia orientieren würden. Hinzu kommt, dass Ehrenmorde in vielen islamischen Ländern, wie z.B. Indonesien oder Somalia gänzlich unbekannt sind.

Wieder mal ein Beleg dafür, dass man unwidersprochen alle möglichen Abstrusitäten über Muslime behaupten kann.

Zu viel Multikulti-Toleranz?

Das Problem bei der ganzen Geschichte ist nicht, dass Ehrenmorde thematisiert werden, sondern wie und in welchem Kontext sie „kritisiert“ werden. In den Medien erschienen die jüngsten als Resultat einer viel zu toleranten Politik der
„Multikultis, die das Land regier(t)en“
. Personen, die „Ehrenmorde“ verurteilten, sahen sich oft als Gegenstimme zum Mainstream und sogar als Rebellen oder Tabubrecher. Nach dem Prinzip „endlich wagt es mal jemand die Muslime zu kritisieren.“ Als ob das ein Tabu wäre und als ob der Islam im öffentlichen Bild nicht sowieso als besonders brutal und gewalttätig erscheinen würde.
Nichts wäre bescheuerter als Zwangsverheiratungen, „Ehrenmorde“ oder Genitalverstümmelungen unter Berufung auf so etwas wie „Kultur“ oder „Tradition“ zu rechtfertigen. Nur, gab es in den öffentlichen Auseinandersetzungen etwa jemanden, der dies getan hätte? Es mag einige wenige Leute geben, die tatsächlich so etwas legitimieren würden, allerdings niemanden, der wirklich ernst genommen werden würde.

In der Tat gibt es Multikulturalismus, der Menschen als Anhängsel ihrer „Kultur“ betrachtet und ihr Verhalten stets aus dieser „Kultur“ ableitet. In der Tat ist dies auch sehr kritikwürdig. Die so genannte „Islamkritik“ verwirft den Kulturalismus aber nicht, sondern teilt seine Grundannahmen. Lediglich die Bewertung stimmt nicht überein.
Auch hier wird sich auf Herkunft, „Kultur“ oder den Islam berufen, wobei dies bei Menschen ohne „Migrationshintergrund“ nie ins Feld geführt werden würde. Wenn ein Deutscher Mann seine Frau schlägt, wird dies ja auch nicht aus seinem „Nationalcharakter“ oder aus der besonders patriarchalischen Religion des Christentums erklärt. Anders bei „Ehrenmorden“, Zwangsverheiratungen oder „Frauenbeschneidung“, allesamt lokale Phänomene, die mit „dem Islam an sich“ nicht viel zu tun haben; sie werden „den Muslimen“ angedichtet, die gar nicht anders handeln könnten, da sie von ihrer „barbarischen Religion“ angetrieben werden würden.
Werden Kulturrelativismus und Multikulturalismus von dieser „Islamkritik“ völlig zu Recht auseinander genommen? Nein, denn genau das passiert eben nicht. Die Kritik ist gar keine, sondern ebenfalls eine Kulturalisierung des Sozialen, bloß unter negativem Vorzeichen. Die „Anderen“ werden nicht mehr für ihre „exotischen Bräuche“ bewundert, sondern für ihre „rückständige und barbarische“ Kultur verachtet. Wenn Antifeministen wie Jean-Marie Le Pen, Jörg Schönbohm oder Justus Wertmüller Frauenrechte in islamischen Ländern einfordern, wenn Leute, die schon mal eine Vergewaltigung als „schlechten Sex“ bezeichnen, sich gegen Zwangsverheiratung und sexuelle Gewalt in „migrantischen Milieus“ aussprechen, oder ausgerechnet die Leute, die zur Verstümmelung von Intersexuellen aufrufen, gegen Female Genital Mutilation wettern, was soll das sein, wenn nicht Kulturrelativismus?

‚Land of the free, home of the Glücksversprechen‘

Zwei Texte zum Irakkrieg aus dem Jahr 2003 von der Freiburger Initiative: Kritik im Handgemenge, die sich sowohl mit bürgerlichen Demokratiediskursen als auch den ML-Stadientheorien der Antideutschen, die behaupten die „Zivilisation“ (sprich: der Kapitalismus) müsse dort eingeführt werden, um die „Bedingung der Möglichkeit“ -also die Aufhebung des Kapitalismus durch den Kommunismus- zu schaffen, beschäftigen:

Basisbanalitäten über bürgerliche Gesellschaft und ihren Export


Dig it like Bentham.
Krise, Krieg und die Bewegung für Zivilisation und Demokratie

Taliban gegen Hijras

In ihrer Rezension des Buches „Allah & Eva. Der Islam und die Frauen“ erwähnt Necla Kelek, Lieblingskronzeugin verschiedener rechtskonservativer und rechtsradikaler „Islamkritiker“, auch pakistanische Hijras, die sie eine „besonders bizarre Bigotterie“ nennt. Was diese mit „dem Islam“ zu tun haben sollen, verrät sie nicht.

Hijras at muslim shrine
Drei pakistanische Hijras an einem muslimischen Schrein

Auch die internationalen Medien berichteten im April diese Jahres über muslimische Hijras in Pakistan.
Als einige Hijras auf dem Weg in das Dorf Dhoda waren, um dort bei einer Hochzeit aufzutreten, wurden sie von Taliban überfallen, die ihre Musikinstrumente zerbrachen und ihre Köpfe kahlrasierten. Daraufhin entschlossen sich die Dorfbewohner dazu, Rache zu nehmen und griffen die Taliban an, was sich zu einem mehrstündigen Gefecht entwickelte.

Siehe auch: Militants beat up dancers

Pakistan: Taliban threaten Lakhtai boys and „eunuch“ dancers

Auch hier zeigt sich im übrigen, dass es sich bei Islamisten keineswegs um "vormoderne Barbaren" handelt, sondern durchaus um Anhänger einer anti-traditionellen Erneuerungsbewegung, die selbstverständlich durch und durch reaktionär ist.