Archiv der Kategorie 'Nationalsozialismus'

NS-Relativierung auf (anti-)deutsch

Zum Orientalismus gehört die Vorstellung von der „orientalischen Despotie“, an die der Historiker Ernst Nolte bei seiner Entsorgung von Auschwitz anknüpfte, als er suggestiv fragte, ob die Nazis eine „asiatische Tat“ begangen hätten; auf dieser Linie liegt auch die im zweiten Golfkrieg propagierte Analogie von Saddam Hussein und Hitler, deren Crux darin lag, dass nicht Saddam als eine Art Hitler Nr. 2, sondern Hitler als eine Art Saddam Nr. 1 phantasiert wurde.
Aus: Handbuch Antirassismus (2002)

Passend wie die Faust auf’s Auge schreibt die ISF:

Der Nazifaschismus ermordete die Juden, um die Volksgemeinschaft herzustellen, d.h. letztlich, die bürgerliche Gesellschaft, aus deren Zusammenbruchskrise er entstand, als Naturzusammenhang und eine Art Ameisenstaat zu retten. In diesem Sinne war Hitler der erste Djihadist, und ein kluger Beobachter wie Winston Churchill kam, auf die Frage, was für ein Buch denn “Mein Kampf” sei, darauf, es sei dies “der neue Koran” für Deutsche.

Ohne Worte II

Gegen die Barbarei der Zivilisation!

In seiner Story Die Dialektik des Antideutschtums beschäftigt sich der Blogger „Grand Hotel Abgrund“ mit dem Widerspruch der Parteinahme vieler Antideutscher für Fortschritt und Zivilisation und deren gleichzeitigen Berufung auf die ‚Dialektik der Aufklärung‘ und die Kritische Theorie.
bigbeatland

Die Bezeichnung des deutschesten aller jemals verübten Verbrechen, der Shoa, als einen Rückfall in die Barbarei vermag diese nicht zu treffen. Der Massenmord war ganz und gar zivilisiert, berief sich noch im Rassenwahn auf die Naturwissenschaften, sowie er sich im Verdammen des „jüdischen Wesens“ noch auf den deutschen Idealismus berufen konnte (Kant: “Vampyre der Gesellschaft”). Die Mittel, die letztlich zu Vernichtung der Juden genutzt wurden, waren nicht zufällig industrielle, eben zivilisierte.

“Barbarei” beschreibt nicht den Charakter der Shoa. Schließlich war sie gerade der Höhepunkt abendländischer “Zivilisation”, ihre totale Entfaltung, ihr Ziel war nicht die Negation der Zivilisation, sondern sich von ihren negativen Begleiterscheinung zu befreien, die man als “parasitär” abgespalten hatte und in der Figur des Juden konkretisiert, und somit die Rettung dieser Zivilisation. Die deutschen “Landser” zogen nicht mit “Buschtrommeln” in einen Vernichtungskrieg (und auch nicht mit dem Koran!), sie hatten Goethe und Schiller im Tornister. Die SS-Mannschaften spielten bei der Judenselektion klassische Musik vom Grammophon, sie waren keine Barbaren, sie verkörperten das Ideal eines abendländischen Kulturmenschen.

Was soll also das Gerede von der Barbarei? Oder besser: Welche Konsequenzen zieht der gemeine Antideutsche, sich ganz in der Tradition der kritischen Theorie wähnend, aus dieser Charakterisierung der Shoah? Wo die kritische Theorie diesen Begriff noch dialektisch anwandte (nämlich niemals ohne die Zivilisation als das zu benennen, von der diese Barbarei ausging), gereicht sie hier nur noch zum reinen Ressentiment gegen die als barbarisch ausgemachten Araber, Türken, Muslime. Diese planen nämlich in der post-antideutschen Wahnvorstellung gerade kollektiv eine neue Shoa und die Erledigung der Zivilisation gleich mit.

Die Barbarei des NS wird als der Rückfall in vorzivilisierte Zustände gedeutet, als hätte man die Feststellung aus der Dialektik der Aufklärung, dass die vollends aufgeklärte Erde im Zeichen triumphalen Unheils erstrahle, einfach vergessen.

Es sind zwei Seiten, die der post-antideutschen Projektion anhaften:
Auf der einen wird das neue Feindbild, „die Araber“, ganz in rassistischer Manier, zu einem unzivilisierten, eben „barbarischen“ Kollektiv stilisiert, gänzlich unberührt von der bürgerlichen Aufklärung. Auf der der anderen Seite, wird in dem der NS eben genau hier eingeordnet wird, der selbige nicht als Phänomen der bürgerlichen Gesellschaft analysiert, sondern als etwas vollkommen von ihr unberührtes, eben zu einem Rückfall in die Barbarei, die hier so wörtlich genommen wird, wie sie die Griechen meinten, nämlich als Charakterisierung der „kulturlosen“ Völker.
Die logische Konsequenz dieses verkehrten Denkens ist dann auch die, die gezogen wird: Man betreibt keine kritische Theorie der Gesellschaft, sondern eben eine unkritische, die sich unbedacht auf die bürgerliche Aufklärung als zu verwirklichendes Projekt bezieht und so die reine Apologetik des Bestehenden betreibt, denn die Erde ist bereits „vollends aufgeklärt“. Was man eben als barbarisch und zurückgeblieben identifiziert ist nichts anderes als ein Produkt der Zivilisation. Die ihr innewohnende Tendenz zur Barbarei wird als ein ihr fremdes abgespalten. So wird die Apologetik der Zivilisation letztlich zur vollkommenen Identifikation mit der (zivilisierten) Herrschaft. Ihre letzte Konsequenz ist der Ruf nach dem Krieg, der Gewalt:

„Die Zeichen der Ohnmacht, die hastigen unkoordinierten Bewegungen, Angst der Kreatur, Gewimmel, fordern die Mordgier heraus.“
[Dialektik der Aufklärung: Exkurs II: Juliette oder Aufklärung und Moral. Theodor W. Adorno: Gesammelte Schriften 3, S. 132)]

Denn nichts anderes ist es, was die heutigen Freunde der kapitalistischen Herrschaft umtreibt, der Hass auf das „Gewimmel“ an den unteren Rändern der Gesellschaft, oder in den „unzivilisierten“ Randbezirken der kapitalistischen Welt. Es geht ihnen um die Verteidigung einer Zivilisation, die sich immer wieder selbst an den Rand ihrer Selbstaufhebung treibt. Wer das nicht erkennen will, soll von der Barbarei schweigen.

Von einem ähnlichen Thema handelt das sehr lesenswerte Kapitel Politische Ökonomie der Enthistorisierung: die Mär vom „negativ aufgehobenen“ Kapitalismus in dem Buch Die antideutsche Ideologie von Robert Kurz. Der Text geht vor allem auf Pollocks Ist der Nationalsozialismus eine neue Ordnung? und Horkheimers Die Juden und Europa ein.

Nazionalbolschewismus

„Der Jude im Kommunismus kann allenfalls noch bestehen. Der Jude im national-bolschewistischen Staat ist ein Unsinn.“
Joseph Goebbels

Nationalbolschewismus ist ein Oberbegriff für verschiedene „nationalrevolutionäre“ Strömungen in der Weimarer Republik, die sich gegen den Versailler Vertrag aussprachen und auf ein militärisches Bündnis mit der Sowjetunion gegen die Westmächte hofften.

Querfront

Die Bezeichnung geht auf Fritz Wolffheim und Heinrich Laufenberg zurück. Ihre politische Fraktion wurde auch als Hamburger Nationalbolschewismus bekannt (Hintergrund dazu Teil 1, Teil 2). Die beiden gehörten zunächst der KPD an, bei der Spaltung der KPD 1919 schlossen sie sich der eher rätekommunistisch orientierten KAPD an, aus der sie 1920 wieder ausgeschlossen wurden (weil die Rest-KAPD den nationalistischen Kurs nicht mittragen wollte).
Ein weiterer Protagonist des Nationalbolschewismus war Ernst Niekisch, der schon an der Münchener Räterepublik beteiligt war und später DDR-Politiker wurde.
Zum Thema „Nationalbolschewismus“ gibt es einige Bücher, darunter: Linke Leute von rechts, Die nationalrevolutionäre Minderheiten und Kommu­nismus in der Weimarer Republik von Otto-Ernst Schüddekopf, Stuttgart 1960 und Nationalbolschewismus und nationalrevolutionäre Bewegung in Deutschland. von Karl Otto Paetel, Göttingen 1965. Beide Werke gehen ziemlich unkritisch, bzw. affirmativ mit ihrem Gegenstand um, denn der Ernst-Jünger-Freund-Paetel ist selbst Nationalbolschewist. Nichtsdestotrotz vermitteln die Bücher ein deskriptives Wissen. Erwähnt wird dort auch die Querfrontstrategie von Teilen der KPD in der Weimarer Republik. Um nur einige Beispiele zu nennen, die Schlageterrede Karl Radeks, der Übertritt von Scheringer und anderen Nazis zur KPD oder die Programmerklärung der KPD zur nationalen und sozialen Befreiung des deutschen Volkes von 1930. Die zeitgenössische Kritik am Nationalbolschewismus (von kommunistischer Seite) kommt in den beiden Büchern nur am Rande vor. Die KAPD wollte Mitglied der 3. Internationale werden, von der Komintern wurde aber der Auschluss der Nationalkommunisten gefordert. In seiner Schrift „Der linke Radikalismus, die Kinderkrankheit im Kommunismus“ kritisiert Lenin auch Wolffheim und Laufenberg. Die rätekommunistische Strömung hatte aber auch unabhängig von der Komintern ein schwieriges Verhältnis zu den Nationalbolschewisten. So schrieb der niederländische Rätekommunist Anton Pannekoek über die KAPD:

„Mir erscheint, ihre Kritik des Nationalbolschewismus nicht nur sehr richtig sondern noch viel zu sanft. Sieunterschätzen das Übel das er anrichtet, da er prinzipiell die Grundgedanken des Kommunismus untergräbt,und sie werden m.E. nicht mit Laufenberg und Wolffheim zusammenbleiben können. Soll die KAPD zu einerführenden, richtungsgebenden Macht werden, die den revolutionären Massen in Deutschland eine festeKlarheit gibt, dann ist ein klarer Standpunkt gerade in der nationalen Frage absolut notwendig; und diesenmuß die Partei auf dem nächsten Kongreß festlegen.“
(Brief Pannekoeks in KAZ Nr. 112, 1920).

Aber auch innerhalb der KPD gab es zum Teil sehr heftige Kritiken an nationalistischen Strömungen und am offiziellen Querfrontkurs. Der radikale Pazifist Kurt Hiller bemängelte an das ZK der KPD:

„Ihr habt gehandelt, als hättet Ihr Nazi-Agenten in eurem Zentralkomitee, sehr gerissene, auf die Ihr hineingefallen seid. Dieses ZK ist z.K.“

Es gab zur gleichen Zeit aber auch Marxisten, die dem Nationalismus feindlich gesinnt waren, so schrieb Hans Litten, der in keiner Partei organisiert war, 1924 in der Zeitschrift des deutsch-jüdischen Wanderbunds:

„Der Götze von dem ich sprechen will, hat viele Namen. ,Vaterland‘, ,Staat‘, ,Volk‘, ,Nation‘ – unter diesen Namen betet man ihn an … Der Nationalwahnsinn beschränkt sich nicht mehr auf die Parteien, die das Vaterland auf ihr Reklameschild geschrieben haben – auch die ,Sozial‘demokratie ist davon erfasst, ja, bis weit in die Reihen der Kommunisten treibt er sein Unwesen. Wir dürfen da nicht mittun. … Einen Staat muss es bis auf weiteres geben. Wir benutzen ihn – dieser Gedanke stammt von Kurt Hiller – wie wir die Untergrundbahn benutzen. Keinem Menschen wird das Herz höher schlagen, wenn er an die Untergrundbahn denkt.“

Auch Erich Mühsam, der sich in jungen Jahren noch für den Ersten Weltkrieg ausgesprochen hatte zu Ausbruch des Ersten Weltkrieges erst einmal nationalistische Gefühle herunterschlucken musste, machte in der Zeit des Schlageterkurses folgenden Tagebucheintrag:

„Es werden sich ja wohl in der „Roten Fahne“ entsprechende Kommentare noch einfinden, und dann muß sich zeigen, ob man endlich bereit ist,… die Bekämpfung des Faszismus international mit allen wirklichen Revolutionären zusammen zu betreiben, oder ob die Tatsache, daß die „Rote Fahne“ jetzt Radek und Reventlow schon gemeinsam zum Wort zuläßt und einen Nationalbolschewismus in Deutschland großzüchtet, an dem nur noch der Bolschewismus zweifelhaft ist.“

Das Phänomen des Nationalen Bolschewismus blieb nicht auf Deutschland beschränkt.
Aktuell gibt es die Nationalbolschewistische Partei Russlands um Alexander Dugin.

Auch in Japan gab es eine dem Nationalbolschewismus ähnliche Bewegung. In den 30er Jahren sammelte sich eine Strömung um Kita Ikki, die sich sowohl auf Hitler, als auch auf Lenin bezog und einen korporatistischen Staat anstrebte. Am 26 Februar 1936 fand unter Berufung auf dessen Ideen ein Putsch von Offizieren gegen den göttlichen Kaiser statt. Der Putsch schlug fehl, Kita Ikki und andere wurde hingerichtet. Hier werden Parallelen zum „Röhm-Putsch“ in Deutschland deutlich, mit dem Unterschied, dass es sich hier um einen wirklichen Putschversuch handelte. Ähnlich wie in Deutschland, wo „auf den zu konkreten und plebejischen „Antikapitalismus“ der SA 1934 verzichtet wurde“ (Moishe Postone), schaffte sich das Regime nur einen unliebsamen Konkurrenten vom Hals. Neben Röhm gehörte auch Gregor Strasser zum „linken Flügel“ der NSDAP, er interessierte sich besonders für die „Programmerklärung zur nationalen und sozialen Befreiung des deutschen Volkes“ der KPD.

P.S. Dies ist ein älterer Text von mir, den ich in meinem neuen Blog recycle.
Weitere Artikel werden folgen…

Lesben im Nationalsozialismus

Lesben in der NS-Zeit.
(Artikel über ein wenig behandeltes Thema)